China ist weltweit Spitzenreiter beim Ausbau von Solar- und Windparks, doch zunehmende Engpässe im Stromnetz bremsen die grüne Energieproduktion. Laut einem Bericht des Global Energy Monitor (GEM) führen Übertragungsengpässe, neue Marktregelungen und Anreize für Kohle zu vermehrten Einspeisedrosselungen: Wind- und Solarstrom, der unter den gegebenen Wetterbedingungen hätte erzeugt werden können, wurde reduziert oder ganz zurückgehalten.
Ultrahochspannungsleitungen kaum genutzt für Ökostrom
Die sogenannten Ultrahochspannungsleitungen, die große Energiemengen über Tausende Kilometer mit geringem Verlust transportieren können, werden nur zu einem Fünftel für Solar- und Windenergie genutzt. 42 Prozent der Kapazität entfallen auf Kohleverstromung, so die GEM-Experten. Die Herausforderung: Der Strom aus den erneuerbaren Anlagen im Norden und Nordwesten muss zu den Industriezentren und Metropolen an der Ost- und Südküste transportiert werden.
Rekordausbau 2025: 317 Gigawatt Solar, 120 Gigawatt Wind
2025 gingen in China Solarparks mit einer Gesamtkapazität von 317 Gigawatt und Windkraftanlagen mit 120 Gigawatt ans Netz. Ein Gigawatt reicht je nach Land für mehrere Hunderttausend Haushalte. Die Volksrepublik verfügt insgesamt über rund 1.200 Gigawatt Solarenergie- und 640 Gigawatt Windenergie-Kapazität. Derzeit baut China neue Windparks mit 251 Gigawatt – diese könnten jährlich so viel Strom produzieren wie Deutschland 2025 aus allen Quellen. Bei Solarenergie ist der Zubau mit 262 Gigawatt im Bau sogar noch größer; das sind 25 Prozent mehr als der Rest der Welt zusammen.
Kohle als Rückhalt und Konkurrenz
Peking setzt parallel weiter auf Kohle. „Letztendlich wird der Erfolg von Chinas Megastandorten bei erneuerbarer Energie nicht an zusätzlichen Gigawatt gemessen, sondern an der Menge an Kohle, die sie aktiv ersetzen“, sagte GEM-Analystin Aiqun Yu. Schlechte Windbedingungen im März bis Juni 2025 ließen die Kohleverstromung steigen, analysierte das Zentrum für Forschung zu Energie und sauberer Luft (Crea). Zudem importierte China im Juni mehr Kohle nach einem Minenunglück in Shanxi, das zu Produktionsrückgängen führte.
Hoffnung auf Plateau bei Kohleverstromung
Dennoch gibt es Anzeichen, dass China bei der Kohleverstromung ein Plateau erreicht haben könnte: 2025 produzierte das Land erstmals seit Jahrzehnten weniger Strom aus Kohle als im Vorjahr. Parallel baut China große Batteriespeicher rasant aus – im ersten Quartal 2026 kamen eigenständige Systeme mit 23 Gigawattstunden Kapazität hinzu, ein Anstieg um 205 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Zum Vergleich: Deutschland nahm im selben Zeitraum zwei Gigawattstunden in Betrieb. Eine Gigawattstunde reicht für rund 300.000 Einpersonenhaushalte.
Ziele bis 2030: 50 Prozent erneuerbare Kapazität
Die GEM-Experten halten es für möglich, dass China bereits 2026 sein Fünfjahresplan-Ziel erreicht, den Anteil von Solar- und Windenergie an der gesamten Stromkapazität bis 2030 auf über 50 Prozent zu steigern. Der Boom der Künstlichen Intelligenz soll den Ausbau von Batteriespeichern weiter befeuern, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete.



