Wenige Wochen vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres 2026/2027 sind in Thüringen noch tausende Ausbildungsplätze unbesetzt. Nach Angaben der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit waren im Juni insgesamt 3.099 Jugendliche ohne Lehrvertrag, während 4.226 offene Stellen gemeldet waren. Insgesamt verzeichnete die Behörde 7.125 Bewerber und 9.591 Ausbildungsstellen.
Angebot und Nachfrage passen oft nicht zusammen
Die Arbeitsagentur sieht die Ursache für die vielen freien Plätze in einer mangelnden Übereinstimmung von Angebot und Nachfrage. „Viele Jugendliche suchen nicht in den Berufen oder Regionen, in denen besonders viele Stellen frei sind“, erklärte ein Sprecher. Rein rechnerisch übersteigt die Zahl der Ausbildungsstellen die der Bewerber deutlich.
Beliebte Wunschberufe der Jugendlichen
Die Liste der favorisierten Berufe bleibt seit Jahren stabil. Zu den begehrtesten Ausbildungen in Thüringen zählen Bürokaufmann/-frau, Kfz-Mechatroniker sowie Verkäufer/in. Auch medizinische Fachangestellte, Kaufleute im Einzelhandel und Fachinformatiker sind stark nachgefragt.
Berufe mit den besten Chancen
Besonders viele offene Lehrstellen gibt es im Verkauf: 871 betriebliche Plätze waren noch nicht vergeben. Dahinter folgen Berufe in der Lagerwirtschaft, Post, Zustellung und im Güterumschlag mit 269 offenen Stellen sowie Maschinenbau- und Betriebstechnik mit 199 freien Plätzen. Wer bei der Berufswahl flexibel ist, hat hier gute Karten.
Große regionale Unterschiede
Die Konkurrenz variiert stark nach Region. Im Wartburgkreis kommen auf 100 Ausbildungsstellen 132 Bewerber, im Saale-Orla-Kreis dagegen nur 38. Auch berufsspezifisch gibt es extreme Unterschiede: In der Körperpflege (Friseur, Kosmetik) entfallen rechnerisch 1.242 Bewerber auf 100 Stellen, im Lebensmittelverkauf lediglich zwölf.
Unterstützung für Jugendliche ohne Lehrstelle
Die Berufsberatung der Arbeitsagentur bietet Hilfe an. In Thüringen sind derzeit 99 Berufsberater im Einsatz, die auch Alternativen zum Wunschberuf aufzeigen. Als Brückenmaßnahmen nennt die Agentur die Einstiegsqualifizierung – ein sozialversicherungspflichtiges Langzeitpraktikum – sowie die assistierte Ausbildung, die während der Lehre unterstützt. Zudem gibt es berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen.
Bewertung der Arbeitsagentur
Markus Behrens, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen, erklärte: „Die anhaltend schwierige wirtschaftliche Lage spiegelt sich auch am Ausbildungsmarkt wider. Viele Unternehmen agieren derzeit zurückhaltender und melden weniger Ausbildungsstellen als in den Vorjahren.“ Gleichzeitig bleibe der Nachwuchsmangel die zentrale Herausforderung. „Deshalb kommt es jetzt in der heißen Phase darauf an, alle Potenziale zu nutzen“, betonte Behrens. Auch die Betriebe seien gefordert, bei der Auswahl ihrer Azubis offen und flexibel zu bleiben.
Erstmals über 1.000 ausländische Bewerber
Erstmals waren unter den Bewerbern in Thüringen mehr als 1.000 Jugendliche ausländischer Herkunft. Ihre Zahl stieg binnen eines Jahres um 22,4 Prozent auf 1.076, wie die Arbeitsagentur mitteilte.



