Der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Kevin Warsh, hat am Donnerstag die Leitung von fünf neuen Arbeitsgruppen bekannt gegeben. Diese werden von Wirtschaftsnobelpreisträgern wie Thomas Sargent, aber auch Prominenten wie Tech-Investor Marc Andreessen und dem früheren Walmart-Chef Doug McMillon geleitet.
Fünf Task Forces zur Reform der Fed
Sie sollen zentrale Aspekte der Geldpolitik der Notenbank überprüfen. Ziel ist es, mögliche weitreichende Reformen bei der Arbeitsweise der Notenbanker auszuloten. Jede „Task Force“ werde sorgfältig prüfen, ob sich die Instrumente und Methoden der politischen Entscheidungsträger, die analytischen Werkzeuge sowie die geldpolitischen Ansätze verbessern ließen, erklärte Warsh am Donnerstag in einer Pressemitteilung der Notenbank.
„Ich freue mich sehr, dass die klügsten Köpfe verschiedenster Disziplinen zugesagt haben, mit uns zusammenzuarbeiten, um unsere Leistungsfähigkeit als Institution zu steigern“, hieß es weiter. „Das Ziel ist klar: sicherzustellen, dass die Fed in dieser bedeutenden Zeit bestmöglich aufgestellt ist, um ihre Ziele zu erreichen.“
Leitung der Arbeitsgruppen im Detail
Die Arbeitsgruppen werden von renommierten Wissenschaftlern, ehemaligen Zentralbankern und Führungskräften aus der Wirtschaft geleitet. Sie befassen sich mit den Themen Kommunikation, Bilanzpolitik, der „Nutzung und Abhängigkeit von bestehenden Datenquellen“ der Fed, Produktivität und Beschäftigung sowie dem Inflationsrahmen der Zentralbank.
- Arbeitsgruppe Kommunikation: Geleitet von Mervyn King (ehemaliger Gouverneur der Bank of England), Peter Fisher (University of Washington) und Arminio Fraga (früherer Präsident der brasilianischen Zentralbank).
- Arbeitsgruppe Bilanzpolitik: Geleitet von Karen Dynan (Harvard University), Raghuram Rajan (ehemaliger Gouverneur der Reserve Bank of India) und Jeremy Stein (Harvard University).
- Arbeitsgruppe Daten: Geleitet von Raj Chetty (Harvard University), Doug McMillon (ehemaliger Walmart-Chef) und Kevin Murphy (University of Chicago).
- Arbeitsgruppe Produktivität und Beschäftigung: Geleitet von Marc Andreessen (Venture-Capital-Investor), Charles Jones (Stanford University) und Asha Sharma (Chefin von Xbox).
- Arbeitsgruppe Inflation Rahmenwerk: Geleitet von Greg Mankiw (Harvard University, früherer Wirtschaftsberater von George W. Bush), Thomas Sargent (New York University, Wirtschaftsnobelpreisträger) und William White (ehemaliger Wirtschaftsberater der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich).
Kontroversen um Marc Andreessen
Die Ernennung einiger Experten dürfte dabei auch für Gesprächsstoff sorgen. Schließlich wurde Tech-Investor Marc Andreessen erst vor wenigen Tagen vom Pentagon auch in das Beratergremium für Verteidigungspolitik berufen. Der Milliardär, der über seine Investmentfirma auch in Unternehmen wie SpaceX investiert ist, gilt als Unterstützer des US-Präsidenten Donald Trump, für dessen Wahlkampf er gespendet hatte.
Warsh kündigt „Regimewechsel“ an
Die Arbeitsgruppen sollen ihre Ergebnisse bis zum Jahresende vorlegen. Bereits im Juni hatte Warsh bei seiner ersten Pressekonferenz erklärt, dass die externen Experten dabei von Mitarbeitern der Fed unterstützt werden. Warsh hat zuvor einen „Regimewechsel“ bei der US-Notenbank in Aussicht gestellt. Einer seiner zentralen Kritikpunkte bezieht sich auf die Bilanz der Federal Reserve, die sich derzeit auf noch knapp 6,7 Billionen Dollar beläuft. Infolge des durch die Coronakrise ausgelösten Marktschocks hatte die Notenbank ihre Bestände bis 2022 massiv ausgeweitet. Warsh hatte die Bilanz als „aufgebläht“ bezeichnet.
Auch bei der Kommunikation hat der neue Fed-Chef Veränderungen angekündigt. Diese will er im Vergleich zu seinen Vorgängern reduzieren. Damit dürfte etwa auch die Zahl der Pressekonferenzen, die es zuletzt nach jeder Zinsentscheidung gab, abnehmen. Dies dürfte auch für die vierteljährlichen Wirtschaftsprojektionen gelten, die von Warsh kritisiert wurden. Bei der Messung der Inflation dürfte es ebenfalls Veränderungen geben.



