Die britische Billigfluggesellschaft Easyjet hat überraschend ein Übernahmeangebot des Finanzinvestors Apollo Global angenommen. Wie das Unternehmen am Freitag mitteilte, habe der Vorstand der Offerte von Apollo Global über 7,15 Pfund je Aktie grundsätzlich zugestimmt. Damit sticht Apollo den US-Investor Castlelake aus, der 6,90 Pfund je Aktie geboten hatte.
Hintergrund des Übernahmekampfs
Erst am vergangenen Sonntag hatte Easyjet mitgeteilt, eine Grundsatzvereinbarung mit Castlelake geschlossen zu haben. Diese bewertete die Fluggesellschaft mit bis zu 5,5 Milliarden Pfund (umgerechnet 6,4 Milliarden Euro). Der Preis von Castlelake entsprach einem Aufschlag von 73 Prozent auf den Schlusskurs vom 29. Mai, als das Interesse des Investors erstmals öffentlich bekannt wurde. Apollo Global legt nun mit 7,15 Pfund pro Aktie nach, was einer Steigerung von etwa 3,6 Prozent gegenüber Castlelakes Angebot entspricht.
Regulatorische Hürden für US-Investoren
Ein Verkauf an US-Investoren könnte auf regulatorische Hindernisse stoßen. Nach EU-Recht müssen Fluggesellschaften, die in der Europäischen Union operieren, mehrheitlich im Besitz von EU-Bürgern sein und von diesen kontrolliert werden. Um diese Anforderung zu erfüllen, hatte Castlelake zuvor erklärt, lediglich 49 Prozent an der Gesellschaft halten zu wollen, die Easyjet übernehmen soll. Die restlichen Anteile sollten an den ehemaligen Easyjet-Manager Peter Bellew und den Branchenexperten Mark Breen gehen, die beide EU-Bürger sind. Auch Apollo Global muss eine ähnliche Struktur vorweisen, um die EU-Auflagen zu erfüllen.
Easyjet als Übernahmeziel
Easyjet wurde 1995 von dem britisch-zypriotischen Unternehmer Stelios Haji-Ioannou gegründet, der mit seiner Familie noch rund 15 Prozent der Anteile hält. Die Billigfluglinie gilt wegen ihrer wertvollen Start- und Landerechte an Flughäfen wie London-Gatwick, Paris und Genf seit längerem als Übernahmeziel. Die gesamte Branche kämpft weltweit mit hohen Treibstoffkosten und Margendruck infolge des Iran-Konflikts. Zudem steht Easyjet in hartem Wettbewerb mit dem Rivalen Ryanair.
Ausblick
Die endgültige Zustimmung der Aktionäre und die Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden stehen noch aus. Sollte die Übernahme durch Apollo Global erfolgreich abgeschlossen werden, könnte dies weitreichende Folgen für den europäischen Luftverkehrsmarkt haben. Experten diskutieren bereits, ob die Marke Easyjet nach der Übernahme verschwinden könnte.



