Die anhaltende Hitzewelle in Deutschland führt zu massiven Beeinträchtigungen im Güterverkehr. Aufplatzende Autobahnfahrbahnen, sinkende Flusspegel und Störungen auf der Schiene treiben die Kosten der Speditionen in die Höhe. Prof. Dirk Engelhardt (53), Vorstandssprecher des Bundesverbandes Güterverkehr Logistik und Entsorgung (BGL), warnt im Gespräch mit BILD vor enormen finanziellen Folgen für die Branche.
Autobahnen wegen Hitzeschäden gesperrt
Die extreme Hitze lässt Fahrbahnen auf Deutschlands Autobahnen aufplatzen oder sich anheben. Auf der A115 in Brandenburg hob sich zwischen Potsdam-Drewitz und Saarmund in Richtung Dreieck Nuthetal der Asphalt; die Strecke musste zeitweise gesperrt werden. Laut Autobahn GmbH gibt es zudem Schäden auf mehreren Abschnitten der A10 sowie auf der A2, A13 und A15. Auf der A2 kam es bei Burg in Sachsen-Anhalt sowie zwischen Ziesar und Wollin in Brandenburg ebenfalls zu hitzebedingten Sperrungen; der Abschnitt bei Burg ist inzwischen wieder freigegeben.
Jede Stunde Verzögerung kostet bis zu 100 Euro pro Lkw
Im Gespräch mit BILD kritisiert Engelhardt den Zustand der Infrastruktur: „Jeder hitzebedingte Verzug kostet die Unternehmen richtig Geld. Jede gestörte Infrastruktur führt zu Stau, Verzögerung und einer Gefährdung der Lieferketten.“ Für Engelhardt ist dies eine Störung mit Ansage. „Denn dass bestimmte Straßen bei extremer Hitze aufplatzen und sich wellen, ist keine Überraschung. Die Problemstellen sind oft bekannt, können aber nicht grundsätzlich instand gesetzt und saniert werden, weil die finanzielle Ausstattung der Autobahn GmbH dies gar nicht zulässt. Hier müssen dringend ausreichende Mittel bereitgestellt werden.“
Engelhardt beziffert die Kosten präzise: „Jede Stunde Verzögerung durch Hitzeschäden kostet pro Fahrzeug zwischen 70 und 100 Euro. Auf Deutschlands Straßen sind jeden Tag rund 800.000 schwere Lkw unterwegs. Da kann man sich schnell ausrechnen, über welche Größenordnung wir hier reden.“ Wenn jedes Fahrzeug wegen der Hitze nur eine Stunde später ans Ziel kommt, entsteht der Branche ein Schaden zwischen 56 und 80 Millionen Euro.
Güterverkehr wird um 54 Prozent zunehmen
Engelhardt verweist zudem auf die steigenden Anforderungen an die Infrastruktur: „Es ist kein Geheimnis, dass der Güterverkehr auf der Straße in den nächsten Jahren um 54 Prozent zunehmen wird. Dafür braucht unsere Branche auch die entsprechende Infrastruktur. Mit dem Infrastrukturbeschleunigungsgesetz wurden die richtigen Weichen gestellt.“ Der BGL vertritt rund 7.000 Unternehmen der Branche.



