Die längste Wirtschaftskrise in Deutschland seit den Nachkriegsjahren bremst den privaten Konsum. Direkte Leidtragende sind die Einzelhändler. Laut der monatlichen Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts fürchtet jeder sechste Einzelhändler um seine Existenz – so viele wie nie zuvor.
Rekordwert bei Existenzängsten
Im April schätzten 17,4 Prozent der befragten Einzelhandelsunternehmen ihre Lage als existenziell bedroht ein, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut mitteilte. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Erhebung. Hauptursache ist demnach die Kaufzurückhaltung der Kunden. Weitere Faktoren sind der wachsende Marktanteil des Online-Handels und die Konkurrenz durch Billiganbieter aus dem Ausland.
Andere Branchen weniger betroffen
In den anderen Branchen – Industrie, Bau, Dienstleister und Großhandel – sind die Sorgen etwas weniger groß. Um den Fortbestand fürchten sich dort jeweils über sieben Prozent der Unternehmen. Branchenübergreifend nannten die Firmen fehlende Aufträge und schwache Nachfrage, steigende Betriebs- und Energiekosten sowie die Bürokratie als Hauptgründe für ihre Misere.
Dienstleistungssektor ebenfalls betroffen
Die andauernde Krise zeigt sich auch in mehreren Dienstleistungszweigen. Laut Ifo-Umfrage sieht sich über ein Fünftel (21,4 Prozent) der Personalagenturen und Zeitarbeitsfirmen existenziell bedroht. In Werbung und Marktforschung sind es demnach über 14 Prozent. Diese Ergebnisse decken sich mit Stimmen aus der Wirtschaft, denen zufolge viele große Unternehmen weniger Leiharbeiter anheuern und ihre PR-Etats reduziert haben.
Liquiditätsengpässe nehmen zu
Viele Betriebe melden laut Ifo auch zunehmende Liquiditätsengpässe, weil Kunden sparen oder Insolvenz anmelden. „Die Krise überträgt sich entlang der Lieferketten“, sagte Ifo-Umfrageleiter Klaus Wohlrabe. „Wenn Kunden wegbrechen oder Aufträge stornieren, trifft das die Zulieferer und Dienstleister mit voller Wucht.“ Der Ökonom erwartet aufgrund der unsicheren Weltlage in den kommenden Monaten weiter hohe Insolvenzzahlen.



