Erfurt – Wie stark wird Künstliche Intelligenz (KI) den Arbeitsalltag in Thüringen verändern? Eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) Sachsen-Anhalt-Thüringen gibt Aufschluss. Demnach ist das Potenzial, dass Computer oder computergesteuerte Maschinen Kerntätigkeiten übernehmen, in den letzten Jahren deutlich gestiegen.
Substituierbarkeitspotenzial im Aufwärtstrend
Die Forscher ermittelten für die Untersuchung den Anteil der Tätigkeiten in einem Beruf, die theoretisch durch Automatisierung ersetzt werden könnten – das sogenannte Substituierbarkeitspotenzial. In Thüringen lag dieser Wert im Jahr 2013 noch bei durchschnittlich 41,6 Prozent. Bis 2022 kletterte er auf 55,8 Prozent, wie Stefan Theuer vom IAB-Regionalforschungsnetzwerk Sachsen-Anhalt-Thüringen erläuterte. Theuer betonte jedoch, dass dies nicht bedeute, dass jeder zweite Arbeitsplatz verschwinde. „Vielmehr wird sich die Art und Weise, wie gearbeitet wird, verändern.“
Große Unterschiede zwischen Berufsgruppen
Besonders stark ist der Anstieg des Automatisierungspotenzials in IT- und naturwissenschaftlichen Dienstleistungsberufen, erklärte IAB-Wissenschaftler Per Kropp. In medizinischen und nicht-medizinischen Gesundheitsberufen sowie in sozialen und kulturellen Dienstleistungsberufen fällt der Wert dagegen vergleichsweise niedrig aus. So sind Krankenpfleger und Erzieher weniger von Automatisierung bedroht.
Ein hohes Substituierbarkeitspotenzial weisen hingegen Fertigungs- und fertigungstechnische Berufe auf. Da diese Berufe in Thüringen überdurchschnittlich häufig vertreten sind, liegt der Durchschnittswert im Freistaat über dem gesamtdeutschen Mittelwert, so Kropp.
Weiterbildung als Schlüssel
Die Autoren der Studie erwarten, dass in Berufen und Regionen mit einem hohen Anteil automatisierbarer Tätigkeiten künftig ein besonderer Bedarf an Weiterbildung besteht. Arbeitnehmer sollten sich frühzeitig mit den Veränderungen auseinandersetzen und ihre Qualifikationen anpassen.
Job-Futuromat: Individuelle Einschätzung
Wer wissen möchte, wie hoch das Automatisierungspotenzial für den eigenen Beruf ist, kann dies mit dem Job-Futuromat des IAB herausfinden. Das Online-Tool ermöglicht eine individuelle Einschätzung für zahlreiche Berufe. Der Job-Futuromat ist abrufbar unter: https://job-futuromat.iab.de.
Die Studie zeigt: Die Digitalisierung wird den Arbeitsmarkt in Thüringen weiterhin stark prägen. Während einige Berufe stärker betroffen sind, bieten sich für andere neue Chancen durch die Unterstützung von KI-Systemen. Entscheidend wird sein, wie gut sich Beschäftigte und Unternehmen auf die Veränderungen einstellen.



