Verlängerte Befristung: Was die Reform für Berufseinsteiger bedeutet
Längere Befristung: Was die Reform für Berufseinsteiger bedeutet

Die Bundesregierung plant, die maximal zulässige Dauer sachgrundloser Befristungen von zwei auf vier Jahre zu verlängern. Bislang dürfen Arbeitnehmer ohne sachlichen Grund maximal 24 Monate befristet beschäftigt werden. Künftig sollen Verträge für bis zu vier Jahre und bis zu sechsmal verlängert werden können, wenn die Einstellung bis Ende 2030 erfolgt. Auch eine erneute Ersteinstellung beim selben Arbeitgeber soll möglich werden.

Ziel: Mehr Neueinstellungen – aber zu welchem Preis?

Die Bundesregierung erhofft sich von der Reform, dass Unternehmen schneller neue Stellen schaffen. Doch Kritiker befürchten das Gegenteil: Statt zusätzlicher Arbeitsplätze könnten vor allem junge Menschen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse gedrängt werden. Meine Kollegin Franca Quecke hat bei zwei Experten nachgefragt, welche Folgen die verlängerte Befristung für Berufseinsteiger haben könnte.

Experten warnen vor Zweiklassengesellschaft

Arbeitsmarktforscher sehen die Pläne skeptisch. „Eine Verdopplung der Befristungsdauer ohne sachlichen Grund kann eine Zweiklassengesellschaft am Arbeitsmarkt verfestigen“, warnt Professor Dr. Klaus Schäfer vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. „Junge Menschen würden noch länger in Unsicherheit gehalten, während ältere Beschäftigte von unbefristeten Verträgen profitieren.“ Besonders betroffen wären Berufseinsteiger, die ohnehin schon häufiger befristet eingestellt werden.

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Was bedeutet das konkret für Betroffene?

Statt maximal zwei Jahren könnten Arbeitgeber Berufseinsteiger künftig vier Jahre lang immer wieder befristet beschäftigen, ohne einen Grund nennen zu müssen. Das erschwert die Planung von Karriere, Familiengründung oder Immobilienkauf. „Vier Jahre Befristung sind eine Ewigkeit im Berufsleben“, sagt Dr. Anna Weber, Arbeitsrechtlerin an der Universität Köln. „Die psychische Belastung für Betroffene ist enorm, weil sie nie wissen, ob ihr Vertrag verlängert wird.“

Reform als Konjunkturprogramm?

Die Bundesregierung argumentiert, dass flexible Befristungen Unternehmen ermutigen, schneller Personal einzustellen. „In Zeiten des Fachkräftemangels brauchen wir alle Instrumente, um Arbeitsplätze zu schaffen“, sagte ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums. Allerdings zeigen Studien, dass befristete Verträge oft nicht in unbefristete umgewandelt werden. Laut einer Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung münden nur rund 40 Prozent der befristeten Stellen in ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis.

Gegenwind aus der Opposition

Die Gewerkschaften und Oppositionsparteien kritisieren die Pläne scharf. „Das ist ein Freibrief für Arbeitgeber, junge Menschen auszubeuten“, sagt Verdi-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Die SPD-Fraktion im Bundestag kündigte an, die Reform im Vermittlungsausschuss zu stoppen. „Wir werden nicht zulassen, dass die Jüngeren die Zeche für die Wirtschaftskrise zahlen“, so die arbeitsmarktpolitische Sprecherin.

Fazit: Mehr Flexibilität oder mehr Prekarität?

Ob die verlängerte Befristung tatsächlich neue Jobs schafft oder lediglich Unsicherheit verlängert, bleibt umstritten. Fest steht: Für Berufseinsteiger wird es noch schwieriger, eine langfristige Perspektive zu bekommen. Die Reform könnte den Arbeitsmarkt spalten – in eine Gruppe mit unbefristeten Verträgen und eine wachsende Gruppe von Befristeten, die nie wirklich ankommen.

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