Lufthansa-Pilotenstreik legt Hunderte Flüge lahm – Betriebsrenten als zentraler Konfliktpunkt
Am zweiten Tag des Pilotenstreiks bei der Deutschen Lufthansa müssen sich Fluggäste weiterhin auf massive Ausfälle und Verspätungen einstellen. Die Fronten zwischen der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit und der Fluggesellschaft sind verhärtet, wobei der Streit vor allem um höhere Betriebsrenten geführt wird. Nach Informationen der Flughäfen fallen erneut Hunderte Flüge an den Drehkreuzen Frankfurt und München aus, was zu erheblichen Beeinträchtigungen für Reisende führt.
Hohe Beteiligung und verhärtete Fronten
Die Vereinigung Cockpit berichtet von einer hohen Beteiligung der Beschäftigten an der bereits zweiten Streikwelle in diesem Jahr. Bereits am 12. Februar hatten die Piloten mit ihrem Tarifkonflikt um die Betriebsrenten einen Großteil der Lufthansa-Flüge ausfallen lassen. Im aktuellen Streik hat Lufthansa einen Sonderflugplan für beide Streiktage aufgestellt, nach dem mindestens die Hälfte des sonst üblichen Programms stattfinden sollte. Bei Fernflügen werde sogar 60 Prozent erreicht, wie eine Unternehmenssprecherin mitteilte.
Die Gewerkschaft widerspricht diesen Angaben jedoch vehement. Nach ihren Daten seien 70 Prozent der Flugzeuge bis zum Nachmittag am Boden geblieben, was die Diskrepanz in der Wahrnehmung der Streikauswirkungen unterstreicht. Die Flughafenbetreiber meldeten am ersten Streiktag in Frankfurt rund 400 von 1165 geplanten Starts und Landungen als ausgefallen. In München wurden 230 von etwa 800 Flugbewegungen gestrichen, wobei die Zahlen sich auf alle Fluggesellschaften beziehen, die Ausfälle jedoch wesentlich der Lufthansa zuzuordnen sind.
Unterschiedliche Streikziele bei Konzerngesellschaften
Interessanterweise zeigt der Tarifkonflikt innerhalb des Lufthansa-Konzerns unterschiedliche Schwerpunkte. Während es bei der Regionaltochter Lufthansa Cityline, die nur einen Tag lang bestreikt wurde, um eine Anhebung der Gehälter geht, stehen bei der Cargo-Sparte und der Kerngesellschaft Lufthansa höhere Betriebsrenten im Mittelpunkt der Auseinandersetzung. Die Regionaltochter übernimmt mit 30 Flugzeugen Zubringerverkehre von kleineren Flughäfen an die Drehkreuze, was die Komplexität der Streikfolgen zusätzlich erhöht.
Lufthansa hatte angekündigt, größere Flugzeuge einzusetzen, Flüge von nicht bestreikten Konzernairlines erledigen zu lassen und freiwillige Crews zu mobilisieren. An diesen Planungen für beide Streiktage habe es keine Änderungen mehr gegeben, betonte die Unternehmenssprecherin. Laut der Vereinigung Cockpit werden jedoch auch Subunternehmen eingesetzt, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Empfehlungen für betroffene Reisende
Der Airport Hannover empfiehlt Reisenden dringend, den Status ihres Fluges direkt bei der Lufthansa zu prüfen und sich bei Fragen oder im Falle von Flugänderungen an die Fluggesellschaft zu wenden. Lufthansa rechnet erst für Samstag wieder mit einem regulären Flugplan, was bedeutet, dass die Auswirkungen des Streiks noch mindestens bis zum Wochenende spürbar sein werden.
Die anhaltenden Streikmaßnahmen unterstreichen die tiefgreifenden Differenzen zwischen den Tarifparteien und werfen Fragen zur Zukunft der Betriebsrenten in der Luftfahrtbranche auf. Während die Gewerkschaft auf substantielle Verbesserungen pocht, zeigt die Fluggesellschaft wenig Kompromissbereitschaft, was zu einer weiteren Verlängerung des Konflikts führen könnte.



