Maschmeyer warnt: „Wir werden zu einem Industriemuseum“
Maschmeyer: „Wir werden zu einem Industriemuseum“

Carsten Maschmeyer (66) rechnet mit dem Wirtschaftsstandort Deutschland ab – und kritisiert Kanzler Friedrich Merz (70, CDU) scharf. Der Star-Investor warnt vor einem gefährlichen Abstieg: Deutschland drohe im internationalen Wettbewerb den Anschluss zu verlieren und immer weiter zurückzufallen. Für Maschmeyer steht fest: So wie bisher kann es nicht weitergehen.

„Wir werden zu einem Industriemuseum“

Im Interview mit „t-online“ sagt Maschmeyer: „Wir werden zu einem Industriemuseum, wenn wir so weitermachen.“ Der Unternehmer sieht den Standort in einer tiefen Krise. „Deutschland ist ein Restrukturierungsfall“, sagt er – also wie ein angeschlagenes Unternehmen, das dringend saniert werden muss. Die Probleme seien hausgemacht: zu hohe Energiekosten, zu viel Bürokratie und zu wenig Innovation. Sein drastischer Vergleich: „Als Unternehmen wäre Deutschland schon auf dem Weg zum Insolvenzgericht.“

„Herr Merz, hören Sie auf, an Ihr Ego zu denken“

Besonders scharf geht Maschmeyer die Politik an. Sein Rat an den Kanzler: „Herr Merz, hören Sie auf, an Ihr Ego zu denken.“ Statt parteipolitischer Spielchen brauche es jetzt gemeinsame Lösungen. „Setzen Sie sich zusammen und sagen Sie: Ob wir wiedergewählt werden oder nicht: Wir müssen dieses Land jetzt wirtschaftlich retten.“ Für Maschmeyer ist klar, dass die Lage unterschätzt wird. „Es ist noch immer nicht richtig verinnerlicht, wie ernst die Lage ist.“ Viele hätten sich bereits an schlechte Nachrichten gewöhnt – ein gefährlicher Zustand.

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Friedrich Merz steht wegen der wirtschaftlichen Lage zunehmend unter Druck. Als Ausweg schlägt der Investor ein radikales Konzept vor: ein staatlich finanziertes „Experimentierjahr“. Menschen sollen die Möglichkeit bekommen, mit finanzieller Absicherung eigene Ideen auszuprobieren. „Deutschland braucht keinen Verwaltungsstaat, sondern radikale Innovation.“ Die Kosten dafür beziffert Maschmeyer auf acht bis zehn Milliarden Euro pro Jahr. Für ihn ist das gut investiertes Geld. „Wenn aus je zehn Versuchen eine erfolgreiche Gründung hervorgeht, rechnet sich das volkswirtschaftlich.“

„Zu bürokratisch, zu langsam, zu vorsichtig“

Sein Ziel: mehr Mut, mehr Tempo, mehr Unternehmertum. Deutschland habe die Talente, aber nicht die richtigen Rahmenbedingungen. „Wir sind zu bürokratisch, zu langsam, zu vorsichtig.“ Für Maschmeyer geht es dabei nicht nur um Wirtschaft, sondern auch um Politik. Wenn die Probleme nicht gelöst würden, wachse der Frust im Land und damit auch die Stärke der politischen Ränder. Sein Fazit fällt entsprechend deutlich aus: Deutschland brauche keinen weiteren Stillstand, sondern endlich wieder „Lust auf Zukunft“.

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