Sachsens Arbeitsmarkt: Mehr Betriebe setzen auf internationale Fachkräfte
Sachsens Betriebe setzen stärker auf ausländische Mitarbeiter

Sachsens Arbeitsmarkt: Mehr Betriebe setzen auf internationale Fachkräfte

Immer mehr Unternehmen in Sachsen greifen auf ausländische Arbeitskräfte zurück, um ihre Belegschaften zu ergänzen. Die Zahlen zeigen einen klaren Aufwärtstrend: Während im Jahr 2015 nur etwa 10,2 Prozent der Betriebe Mitarbeiter mit ausländischem Pass beschäftigten, stieg dieser Anteil bis zum vergangenen Jahr auf 25 Prozent an. Das bedeutet, dass von den insgesamt 102.900 Betrieben im Freistaat nun jeder vierte auf internationale Fachkräfte setzt.

Bundesweiter Vergleich offenbart deutlichen Rückstand

Trotz dieser positiven Entwicklung liegt Sachsen im Vergleich zu anderen Bundesländern deutlich zurück. Bundesweit beschäftigen bereits vier von zehn Betrieben ausländische Mitarbeiter. In wirtschaftsstarken Ländern wie Baden-Württemberg und Hessen liegt der Anteil sogar bei fast 50 Prozent. Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass der sächsische Arbeitsmarkt noch erhebliches Potenzial für die Integration internationaler Fachkräfte bietet.

Demografischer Wandel erzwingt Zuwanderung

Klaus-Peter Hansen, Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit, betont die Notwendigkeit dieser Entwicklung: „Trotz der zuletzt lahmeren Konjunktur ist der sächsische Arbeitsmarkt auf Zuwanderung angewiesen.“ Der Grund liegt im demografischen Wandel: Mehr Menschen scheiden altersbedingt aus dem Berufsleben aus, als junge Arbeitskräfte nachwachsen. In den kommenden fünf Jahren könne jeder dritte der etwa 180.000 Altersabgänge wegen fehlenden Nachwuchses nicht nachbesetzt werden.

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Lohnungleichheit bleibt kritisches Thema

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisiert jedoch eine anhaltende Ungleichbehandlung bei der Bezahlung. Ralf Hron, DGB-Landesvize, weist auf erhebliche Lohnunterschiede hin: Arbeitskräfte aus Polen verdienen in Sachsen im Durchschnitt 816 Euro weniger pro Monat, Beschäftigte aus Tschechien sogar 957 Euro weniger. Diese Mitarbeiter seien deutlich häufiger im Niedriglohnbereich tätig als ihre deutschen Kollegen. Hron fordert: „Wer auf eine nachhaltige Fachkräfteentwicklung setzt, muss ausländischen Beschäftigten echte Perspektiven bieten.“

Regionale Unterschiede innerhalb Sachsens

Die Integration internationaler Fachkräfte variiert stark innerhalb des Freistaats:

  • In Leipzig und Dresden beschäftigt etwa jeder dritte Betrieb Mitarbeiter mit ausländischem Pass
  • Im Erzgebirgskreis sind es dagegen nur 16 Prozent der Betriebe
  • Damit bildet diese Region das Schlusslicht in Sachsen

Hürden für Unternehmen

Viele Unternehmen zögern noch, ausländische Fachkräfte einzustellen. Die Regionaldirektion nennt als Gründe nicht nur Vorurteile, sondern auch praktische Hindernisse:

  1. Sprachbarrieren erschweren die Kommunikation
  2. Kulturelle Unterschiede müssen überwunden werden
  3. Rechtliche Unsicherheiten bei der Einstellung

Doch die Erfahrung zeigt: Betriebe, die einmal internationale Mitarbeiter eingestellt haben, stellen oft weitere ein. Insgesamt gehen in Sachsen derzeit etwa 151.000 Ausländer einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach. Der Medianlohn liegt bei 2.733 Euro und damit unter dem der deutschen Beschäftigten (3.469 Euro).

Keine Verdrängung deutscher Arbeitnehmer

Die Experten der Regionaldirektion sehen keine Verdrängung deutscher Arbeitnehmer durch die Zuwanderung. Der Anstieg ausländischer Beschäftigter kompensiere vielmehr den demografisch bedingten Rückgang der deutschen Bevölkerung. Die Migration sorge dafür, dass frei werdende Stellen überhaupt nachbesetzt werden können. Die Beschäftigungsquote der Deutschen liege trotz des Zuwachses stabil bei 70 Prozent.

Klaus-Peter Hansen resümiert: „Letztendlich ist entscheidend, dass ein Mitarbeiter für den Unternehmenserfolg und als wertvolles Mitglied einer Mannschaft arbeitet – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Sprache.“ Die Entwicklung in Sachsen zeigt, dass der Weg zu einer internationaleren Belegschaft zwar begonnen hat, aber noch deutlich an Fahrt gewinnen muss.

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