Fachkräftemangel: Studie zeigt Potenziale durch bessere Integration
Studie: Bessere Integration könnte Fachkräftemangel lindern

17 Prozent der Beschäftigten sind Ausländer

Eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass bereits 17 Prozent der Beschäftigten in Deutschland keinen deutschen Pass haben. In Reinigungsberufen und der Lebensmittelherstellung ist es fast jeder zweite Beschäftigte, im Tourismus und der Gastronomie mehr als jeder dritte, in der Pflege jeder fünfte. Der Anteil werde weiter steigen, da diese Beschäftigten im Schnitt deutlich jünger sind als deutsche Arbeitnehmer.

„Ohne Zuwanderung in beträchtlicher Höhe geraten viele Branchen in Schwierigkeiten“, sagt Tobias Ortmann, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann-Stiftung. Er fordert eine Versachlichung der Debatte: „Es ist höchste Zeit, die Debatte um Zuwanderung zu versachlichen. Wer den Wohlstand unserer Gesellschaft bewahren will, muss die Integration von Zugewanderten verbessern.“

Sinkendes Erwerbspersonenpotenzial verschärft den Mangel

Die Notwendigkeit wird durch das sinkende Erwerbspersonenpotenzial Deutschlands unterstrichen. Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht es seit diesem Jahr zurück. Sobald die Konjunktur wieder anzieht, dürften sich Fachkräfte- und Arbeitskräftemangel deutlich verschärfen. Derzeit gibt es mehr als eine Million offene Stellen in Deutschland.

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Die Studie identifiziert zwei Gruppen mit besonderem Potenzial: zugewanderte Frauen und Zuwanderer, die trotz Qualifikation in Helferjobs arbeiten.

Zugewanderte Frauen sind seltener erwerbstätig

Während etwa zwei Drittel der deutschen Frauen und Männer sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind, liegt der Anteil bei Ausländern bei gut 59 Prozent der Männer und knapp 45 Prozent der Frauen. Besonders groß ist der Unterschied bei Personen aus Asylherkunftsländern: Acht Jahre nach der Ankunft sind geflüchtete Männer mit 73 Prozent häufiger beschäftigt als der männliche Bundesdurchschnitt von 70 Prozent, geflüchtete Frauen dagegen nur zu 31 Prozent.

Andere Untersuchungen, etwa des IAB, zeigen, dass dies nicht zwingend an kulturellen Unterschieden liegt. Vielmehr haben diese Frauen oft besonders schlechte Chancen, Kinderbetreuung zu finden.

Qualifikationen werden häufig nicht genutzt

63 Prozent der deutschen Beschäftigten haben einen Berufsabschluss, 21 Prozent einen Hochschulabschluss. Bei Ausländern sind es nur 31 Prozent mit Berufsabschluss, aber 19 Prozent mit Hochschulabschluss. Beschäftigte aus Asylherkunftsländern haben zu knapp 18 Prozent einen beruflichen Abschluss, knapp 14 Prozent sind Akademiker, 44 Prozent sind ohne Berufsabschluss.

Viele ausländische Beschäftigte arbeiten unterhalb ihrer Qualifikation. Selbst mit anerkanntem Berufsabschluss arbeiten 29 Prozent der ausländischen Beschäftigten und 31 Prozent der Beschäftigten aus Asylherkunftsländern als Helfer. Unter akademisch gebildeten Ausländern ist jeder achte in einem Helferjob, bei Menschen aus Asylherkunftsländern fast jeder fünfte. Dadurch werden Qualifikationen weniger produktiv eingesetzt, und die Betroffenen verdienen weniger.

Empfehlungen: Sprachförderung, Anerkennung, One-Stop-System

Die Studienautoren empfehlen, die Sprachförderung für Frauen verlässlich zu finanzieren, mit Qualifizierung und Kinderbetreuung zu kombinieren und berufsbegleitend zu organisieren. Die Bundesagentur für Arbeit hatte zu Wochenbeginn darauf hingewiesen, dass die Zahl der ausländischen Bürgergeldempfänger zurückgegangen sei, weil sie nun von Sprachkursen profitierten.

Daneben brauche es eine schnellere Anerkennung von Qualifikationen aus dem Ausland und schnellere Nachqualifizierungen. Nötig seien ein schnellerer Arbeitsmarktzugang, digitale Verfahren und nahtlose Übergänge zwischen Behörden – kurz: „eine gebündelte Anlaufstelle, ein One-Stop-System“.

Dies soll eigentlich die von der Koalition vereinbarte Work-and-Stay-Agentur leisten. Eckpunkte dafür hatte das Kabinett bereits verabschiedet. Doch der Aufbau scheitert bisher an Fragen um Zuständigkeiten und an Unklarheiten über die Zusammenarbeit mit den Ausländerbehörden.

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