Entscheidungswoche bei der Deutschen Bahn: Tarif-Endspurt mit der GDL
Für die Deutsche Bahn und ihre Millionen Fahrgäste beginnt eine äußerst kritische Woche. Der Konzern und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) treffen sich zur letzten und entscheidenden Tarifrunde, bevor die Friedenspflicht Ende Februar ausläuft. Bis Freitag haben beide Seiten Zeit, einen Kompromiss zu erzielen und damit bundesweite Streiks zu verhindern.
Friedenspflicht läuft aus – Eskalation droht
Es handelt sich bereits um die fünfte Verhandlungsrunde in diesem Tarifkonflikt, nachdem der Tarifvertrag Ende Dezember 2025 ausgelaufen ist. Die bis Ende Februar geltende Friedenspflicht hat bisher Streiks verhindert, doch diese Schutzfrist endet nun. GDL-Chef Mario Reiß hat das jüngste Angebot der Bahn bereits abgelehnt und einen Abbruch der Gespräche nicht ausgeschlossen. Sollte bis Freitag keine Einigung erzielt werden, droht den Fahrgästen ein frustrierender und chaotischer März mit möglichen Arbeitsniederlegungen.
Die zentralen Streitpunkte im Überblick
Die Gewerkschaft fordert unter anderem eine Gehaltserhöhung von insgesamt 8 Prozent für die Beschäftigten. Davon sollen 3,8 Prozent durch eine direkte Entgelterhöhung erreicht werden, während die restlichen Steigerungen durch Umstrukturierungen im Tarifsystem – etwa die Einführung einer neuen Tarifstufe – erzielt werden sollen.
Die Deutsche Bahn hat in der vergangenen Runde ein erstes Angebot vorgelegt, das folgende Punkte umfasst:
- Eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 3,8 Prozent in zwei Schritten
- Zusätzliche Steigerungen von 2,2 Prozent durch Anpassungen im Tarifsystem
- Berücksichtigung der von der GDL geforderten zusätzlichen Entgeltstufe
- Eine Einmalzahlung in Höhe von 400 Euro für alle Beschäftigten
Ein weiterer kritischer Punkt ist die Laufzeit des neuen Tarifvertrags. Während die Arbeitgeberseite auf eine Laufzeit von 30 Monaten drängt, besteht die GDL auf einer deutlich kürzeren Frist von nur 12 Monaten.
Tarifeinheitsgesetz als zusätzlicher Konfliktherd
Als besonders knifflig erweist sich die Diskussion um das sogenannte Tarifeinheitsgesetz. Dieses Gesetz regelt, dass in einem Betrieb nur die Tarifverträge derjenigen Gewerkschaft angewendet werden, die dort die Mehrheit der Mitglieder hat. Bei der Deutschen Bahn ist in den meisten der rund 300 Betriebe die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) stärker vertreten.
In mehreren Dutzend Betrieben sind die Mehrheitsverhältnisse jedoch unklar, was seit Jahren zu juristischen Auseinandersetzungen zwischen Bahn und GDL führt. Die Bahn hat nach eigenen Angaben neue Lösungsvorschläge für diese Problematik unterbreitet, die in der aktuellen Verhandlungsrunde diskutiert werden müssen.
Zuversicht trotz schwieriger Ausgangslage
Trotz der zahlreichen Konfliktpunkte und der angespannten Verhandlungssituation äußerten sich beide Seiten nach dem letzten Treffen vorsichtig optimistisch. Sowohl Bahnvertreter als auch GDL-Funktionäre signalisierten die Bereitschaft, in dieser entscheidenden Woche eine tragfähige Lösung zu finden.
Für die Fahrgäste der Deutschen Bahn bleibt nur die Hoffnung, dass der Verhandlungsmarathon erfolgreich endet. Sollte es tatsächlich zu einer Einigung kommen, wären es die ersten Tarifverhandlungen seit 2018, in denen die GDL nicht den bundesweiten Bahnverkehr mit Streiks lahmlegt. Die kommenden Tage werden zeigen, ob Vernunft und Kompromissbereitschaft siegen oder ob das deutsche Schienennetz auf einen konfliktreichen Frühjahr zusteuert.



