Historischer Arbeitskampf im Neustrelitzer Bahnwerk nach vier gescheiterten Tarifrunden
Im OMB-Bahnwerk in Neustrelitz hat sich am Dienstagmorgen ein historischer Arbeitskampf ereignet. Erstmals seit mehr als 16 Jahren legten Beschäftigte in dem Werk die Arbeit nieder und folgten damit dem Aufruf der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zum Warnstreik. Rund 100 Personen aus der Frühschicht beteiligten sich an der Arbeitsniederlegung, die als deutliches Signal in den festgefahrenen Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgeber zu verstehen ist.
EVG kritisiert fehlendes akzeptables Gesamtangebot nach vier Verhandlungsrunden
Laut EVG-Pressesprecher Benjamin Köster hat die Ostmecklenburgische Bahnwerk GmbH (OMB) als Arbeitgeber nach insgesamt vier Verhandlungsrunden immer noch kein akzeptables Gesamtangebot vorgelegt. Die bisherigen Angebote der Unternehmensseite hätten zentrale Forderungen der Gewerkschaft ignoriert, was zu der aktuellen Eskalation geführt habe.
Die Kernforderungen der EVG umfassen:
- Eine Erhöhung der Einkommen um 7,3 Prozent für alle Beschäftigten
- Eine Anhebung der Ausbildungsvergütung um 100 Euro monatlich
Der Warnstreik markiert einen Wendepunkt in den Arbeitsbeziehungen am Standort Neustrelitz. Die Gewerkschaft setzt nun auf eine Rückkehr an den Verhandlungstisch mit einem deutlich verbesserten Angebot der OMB. „Andernfalls kommen weitergehende Streikmaßnahmen als Option in Betracht“, so Köster in einer klaren Warnung an die Unternehmensführung.
OMB bezeichnet Warnstreik als überzogen und nicht verhältnismäßig
Auf Unternehmensseite reagierte man mit deutlicher Kritik auf den Arbeitskampf. OMB-Sprecherin Shona Hoffmeister erklärte, der angekündigte Warnstreik sei in der jetzigen Phase der Tarifverhandlungen überzogen und nicht verhältnismäßig. Das Unternehmen betonte, bereits in der dritten Tarifrunde einer Kernforderung der EVG entsprochen zu haben und insgesamt drei verbesserte Angebote vorgelegt zu haben.
Laut Unternehmensangaben stellen diese Angebote unter Einbeziehung der aktuellen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen einen fairen Kompromiss dar. Die OMB signalisierte gleichzeitig ihre Bereitschaft, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um eine Einigung zu erzielen und weitere Eskalationen zu vermeiden.
Hintergrund: Das OMB-Bahnwerk Neustrelitz als Teil der Enon-Gruppe
Die Ostmecklenburgische Bahnwerk GmbH ist Teil der Enon-Unternehmensgruppe und betreibt im Neustrelitzer Werk umfangreiche Instandhaltungsarbeiten für Eisenbahnverkehrsunternehmen. Zu den wichtigen Dienstleistungen des Werks gehören:
- Regelmäßige Wartungen von Schienenfahrzeugen
- Restaurierungsarbeiten an historischen und modernen Zügen
- Modernisierungen und technische Aufrüstungen
Der aktuelle Arbeitskampf verdeutlicht die angespannte Situation in der deutschen Bahnindustrie und wirft Fragen nach der Zukunft der Tarifverhandlungen in der Branche auf. Beobachter erwarten nun mit Spannung die nächsten Schritte beider Seiten, die über die Fortsetzung oder Beendigung des historischen Arbeitskampfes entscheiden werden.



