Der Satz fällt auf dem Weg durch die Produktionshallen bei Weber Food Technology in Neubrandenburg. Zwischen Maschinen zum Fräsen, Bohren, Schleifen und Schneiden von Metall, zwischen Montagelinien und Programmierstationen für die Elektronik der hier gefertigten Hochleistungsschneidemaschinen. Gesagt wird er von einem der beiden Prokuristen, die seit 21 Jahren im Unternehmen sind: „Wenn uns die Jugend abhaut, sind wir aufgeschmissen.“
Neues Ausbildungszentrum eröffnet
Dieser Sorge will der Betrieb entgegenwirken – mit einem neuen Ausbildungszentrum am Standort, das demnächst offiziell eröffnet werden soll. Viel Platz, echte Maschinen zum Üben, praxisnahe Abläufe: Knapp 500.000 Euro hat Weber Food Technology nach eigenen Angaben investiert. Es ist ein weiterer Baustein in einer Strategie, die darauf hinausläuft, Fachkräfte selbst zu formen, weil sie anders schwer zu bekommen sind. Das Ausbildungszentrum soll dabei nicht nur für Weber wichtig sein: „Wir wollen ein anerkannter Prüfungsort werden, eventuell auch für andere Unternehmen.“
Weber Food Technology gehört zu den wenigen industriellen Schwergewichten in der Region Neubrandenburg. Weltweit werden nach Unternehmensangaben rund 70 bis 80 Prozent der sogenannten Slicer in diesem Segment von Weber gefertigt. Insgesamt arbeiten mehr als 2000 Menschen für die Gruppe, Neubrandenburg ist mit rund 450 Beschäftigten der größte Fertigungsstandort, einige Kilometer entfernt arbeiten in Groß Nemerow noch einmal rund 60 Leute.
Die Dimensionen im Inneren der Hallen stehen in einem gewissen Kontrast zur Sprache, die dort gesprochen wird. Man kennt sich mit Vornamen, die Wege sind kurz, der Ton sachlich. Die Prokuristen Robert Schwabe und Mike Herrmann führen durch die Produktion, zeigen Materiallager, Fertigungsbereiche, Ausbildungsplätze. Beide kommen aus der Region, beide sind seit mehr als zwei Jahrzehnten im Unternehmen. Sie sagen: „Ausbildung ist die Verantwortung, die wir haben.“
US-Geschäft zunehmend unsicher
Hinzu kommt ein zweiter Faktor, der weniger sichtbar, aber ebenso wirksam ist: die internationale Nachfrage. Weber produziert keine Serienware, sondern spezialisierte Anlagen, die genau auf die Kunden zugeschnitten sind. Ein Teil der Maschinen geht in die USA, nach eigenen Angaben ein zentraler Markt. Dort arbeiten rund 200 Beschäftigte für das Unternehmen. Strafzölle und politische Unsicherheiten verteuern und verkomplizieren derzeit das Geschäft, ohne es jedoch grundsätzlich zu stoppen. „Wir sind da aktuell sehr wachsam“, sagt ein Prokurist. Denn die letzten veröffentlichten Bilanzen zeigten ein wirtschaftlich sehr solides Unternehmen – doch seitdem hat sich das Umfeld deutlich verschärft.
Und: Man wolle neue Märkte stärker erschließen und in anderen Regionen der Welt eigene Tochtergesellschaften aufbauen. Künftig soll weiter expandiert werden, wichtig sei dabei der Kontakt zu großen Handelskonzernen wie beispielsweise Lidl und Aldi. Schwierig sei das Geschäft für Weber dagegen dort, wo die maßgeschneiderten Slicer bislang wenig nachgefragt werden, wie zum Beispiel in China, Indien oder Pakistan.
Parallel dazu verändert sich die Produktion selbst. In den Hallen fahren Transportroboter Material zu den nächsten Arbeitsschritten, Prozesse werden automatisiert, wo es technisch sinnvoll ist. Expansion soll künftig nicht mehr allein über zusätzliche Köpfe abgebildet werden, sondern auch über Technik und Effizienz. „Abbilden von Wachstum durch Automation“, heißt es im Gespräch: „Wo immer es geht, automatisieren wir.“
Neubrandenburg mit zentraler Rolle in der Fertigung
Gleichzeitig bleibt der 1999 eröffnete Standort in der Seenplatte stark eingebunden in die industrielle Logik des Unternehmensverbunds. Weber betreibt nach eigenen Angaben sechs Produktionsstandorte, fünf davon in Deutschland. Der Hauptsitz liegt im hessischen Breidenbach, von dort aus unter anderem werden Aufträge koordiniert und der Service gesteuert. Neubrandenburg übernimmt dabei eine zentrale Rolle in der Fertigung und zusätzlich Aufgaben in der Konzernstruktur, etwa in der Buchhaltung für mehrere Gesellschaften.
Künstliche Intelligenz spielt bei Weber dabei noch keine größere Rolle. „Die Technik lernt erst laufen“, sagen sie hier, „Kollegen nutzen KI aber zur Programmierung, Kommunikation und Dokumentation.“ Als großen Heilsbringer sieht man die künstliche Intelligenz hier aber auch in Zukunft nicht, „KI wird uns nicht tragen können“. Was angesichts der aktuellen Entwicklungen bei den Strompreisen viel stärker hilft, sind die Solarmodule, die auf sämtlichen Weber-Dächern in Neubrandenburg günstige Energie einfangen. Ein angedachter Großspeicher soll die Nutzung bald noch günstiger machen. Aber: „Das geht alles immer noch viel zu langsam. Die ganzen Richtlinien bei solchen Investitionen bremsen uns immer wieder aus.“
Dennoch sieht man sich bei Weber gut aufgestellt. „Neubrandenburg ist gut ausgelastet bei der Produktion. Im Bereich Verpackung noch nicht, da entwickeln wir uns noch. Dort ist der Wettbewerb aber deutlich größer als noch vor zehn Jahren.“ Doch der relativ neue Produktionsbereich ist nur eine der Herausforderungen, vor denen Weber Food Technology steht: Nachwuchs sichern, Prozesse stabilisieren, auf Märkte zu reagieren, die sich schneller verändern, als langfristige Planungen es erlauben. Denn selbst eine globale Marktführerschaft nützt wenig, wenn am Ende die Menschen fehlen, die sie tragen.



