Ex-Gewerkschaftschef Claus Weselsky übt scharfe Kritik an der aktuellen Führung der GDL
Der ehemalige Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, hat sich aus dem Ruhestand mit deutlichen Worten zu seiner früheren Organisation geäußert. In einem Interview mit dem Magazin „Stern“ kritisierte der 67-Jährige die aktuelle Medienpräsenz der Gewerkschaft als unzureichend und vermisst die frühere Personalisierung.
„Früher stand da überall Weselsky“ – Ein Rückblick auf prägende Jahre
Weselsky, der von 2008 bis 2024 an der Spitze der GDL stand und durch seine konfliktreiche Verhandlungsführung bundesweit bekannt wurde, blickt auf eine Ära zurück, in der sein Name oft synonym mit der Gewerkschaft stand. „Die GDL muss stärker in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden“, forderte er im Gespräch. Ihm fehle es aktuell an der nötigen Personalisierung, die er während seiner Amtszeit intensiv pflegte. „Früher stand da überall Weselsky“, erinnerte er sich. „In Sachen Selbstvermarktung ist die GDL gerade nicht da, wo ich es mir wünsche.“
Kritik am Nachfolger Mario Reiß und dem neuen Team-Ansatz
Besonders deutlich wird Weselskys Unmut gegenüber der Strategie seines Nachfolgers Mario Reiß. „Die GDL findet nun weniger statt, es wird keine einzelne Person mehr vermarktet, sondern das Team“, monierte er. Obwohl er zugesteht, dass Reiß bei der letzten Verhandlungsrunde mit der Deutschen Bahn Ende Februar ein „tolles Ergebnis“ erzielt habe, das ohne Streiks auskam, bleibt er bei seiner Kritik: „Ich glaube, anders wäre es besser.“ Aus seiner Sicht hat die Gewerkschaft in den Medien zu wenig stattgefunden, was die öffentliche Wahrnehmung schwäche.
Weselskys Leben nach der GDL: Engagement und Entspannung
Seit seinem Abschied von der GDL-Spitze hat Weselsky keineswegs den vollständigen Ruhestand angetreten. Er arbeitet nach eigenen Angaben noch an drei Tagen pro Woche. Seine aktuellen Engagements umfassen:
- Vorstandsmitglied einer von GDL-Mitgliedern gegründeten Genossenschaft
- Vizechef beim Deutschen Beamtenbund
In seiner Freizeit widmet er sich Entspannungstechniken wie Yoga, wobei er einmal wöchentlich eine Lehrerin aufsucht. Diese Balance zwischen beruflichem Engagement und persönlichem Ausgleich scheint ihm wichtig zu sein, auch wenn er die öffentliche Rolle der GDL weiterhin kritisch im Auge behält.
Die Zukunft der GDL: Zwischen Teamarbeit und öffentlichem Profil
Weselskys Äußerungen werfen grundsätzliche Fragen zur Strategie von Gewerkschaften in der modernen Medienlandschaft auf. Sollte eine Organisation wie die GDL stärker auf eine charismatische Einzelperson setzen, wie es unter Weselsky der Fall war, oder ist der teamorientierte Ansatz von Mario Reiß nachhaltiger? Die Debatte über Personalisierung versus kollektive Repräsentation bleibt aktuell, besonders in einer Zeit, in der soziale Medien und 24-Stunden-Nachrichtenzyklen die öffentliche Aufmerksamkeit stark beeinflussen.
Für die GDL bedeutet dies, dass sie nicht nur tarifpolitische Erfolge erzielen muss, sondern auch ihre mediale Präsenz strategisch gestalten sollte. Ob Weselskys Kritik hierzu einen Impuls gibt, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass der ehemalige Gewerkschaftschef auch aus dem Ruhestand heraus weiterhin ein aufmerksamer Beobachter der Entwicklungen bleibt.



