Massiver Stellenabbau bei WMF-Mutterkonzern SEB
Der französische Haushaltsgerätekonzern SEB, zu dem die deutsche Traditionsmarke WMF gehört, hat einen umfangreichen Stellenabbau angekündigt. Bis zu 2100 Arbeitsplätze sollen weltweit gestrichen werden, wovon auch drei deutsche Produktionsstandorte betroffen sind. Der Konzern mit Sitz in Écully bei Lyon reagiert damit auf wirtschaftliche Herausforderungen und steigenden Wettbewerbsdruck.
Drei deutsche Werke vor der Schließung
Besonders hart trifft es die deutschen Standorte der WMF-Gruppe. Die Werke in Riedlingen und Hayingen in Baden-Württemberg sowie in Diez in Rheinland-Pfalz sollen nach den aktuellen Plänen aufgegeben werden. In Hayingen befindet sich eine der größten Klingenschmieden Deutschlands, wo unter anderem hochwertige Küchenmesser produziert werden. Die WMF-Gruppe ist seit zehn Jahren Teil des SEB-Konzerns und hat ihren Hauptsitz im württembergischen Geislingen.
Neben den Produktionsstandorten sollen auch Verwaltungsbereiche, Vertrieb, Marketing und einige Ladengeschäfte von den Sparmaßnahmen betroffen sein. Der Konzern erhofft sich durch die Restrukturierung bis Ende 2027 Einsparungen in Höhe von rund 200 Millionen Euro.
Auswirkungen auf den Geislinger Hauptsitz
Die genauen Folgen für den WMF-Hauptsitz in Geislingen sind noch nicht abschließend geklärt. Dem Lokalsender „Filstalwelle“ gegenüber bestätigte der Betriebsrat jedoch, dass die Produktion von Kaffeemaschinen vorerst vom Sparprogramm ausgenommen bleiben soll. Allerdings gilt für die Mitarbeiter in Geislingen bereits seit zwei Wochen Kurzarbeit, was auf die angespannte wirtschaftliche Situation hinweist.
Insgesamt sind von den 4400 Arbeitsplätzen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bis zu 600 Stellen vom Abbau bedroht. Weitere 800 Stellen sollen an anderen europäischen Standorten gestrichen werden. Erste Gespräche mit Arbeitnehmervertretern wurden am Mittwoch aufgenommen.
Wirtschaftliche Hintergründe des Stellenabbaus
Der SEB-Konzern mit weltweit 32.000 Mitarbeitern sah sich im vergangenen Jahr mit erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. 2025 musste das Unternehmen seine Ziele gleich zweimal korrigieren. Letztlich schrumpfte der Gewinn vor Zinsen und Steuern um 25 Prozent auf 601 Millionen Euro. Als Hauptgründe nennt der Konzern steigenden Wettbewerbsdruck, insbesondere aus asiatischen Märkten, sowie die Notwendigkeit, Kosten zu senken, um wieder profitabel wachsen zu können.
Die Ankündigung des Stellenabbaus wurde von den Kapitalmärkten positiv aufgenommen: Die SEB-Aktie stieg am Mittwoch um elf Prozent an.
Tradition und Bedeutung von WMF
Die Württembergische Metallwarenfabrik blickt auf eine mehr als 170-jährige Tradition zurück. 1853 gründete der Mühlenbesitzer Daniel Straub zusammen mit den Brüdern Schweizer in Geislingen eine Metallwarenfabrik, aus der sich später WMF entwickelte. Das Unternehmen begann mit reiner Metallverarbeitung und erweiterte sein Portfolio später um Profi-Kaffeemaschinen und Hotelausstattung.
Nach eigenen Angaben verwenden täglich mehr als 100 Millionen Menschen weltweit Produkte der WMF-Gruppe. Die Marke steht für hochwertige Haushaltsgeräte wie Smoothie-Maker, Kaffeemaschinen, Heißluftfritteusen, Wasserkocher sowie Premium-Pfannen und Töpfe. Neben WMF gehören auch bekannte Marken wie Tefal, Rowenta und Krups zum SEB-Konzern.
Die nun angekündigten Maßnahmen markieren einen tiefen Einschnitt in die Geschichte des traditionsreichen deutschen Unternehmens und werfen Fragen zur Zukunft der betroffenen Standorte sowie der betroffenen Mitarbeiter auf.



