China verhängt endgültige Zölle auf EU-Milchprodukte
Nach eineinhalbjähriger Untersuchung hat China offiziell Zölle auf importierte Milchprodukte aus der Europäischen Union verhängt. Die endgültigen Aufschläge liegen zwischen 7,4 und 11,7 Prozent und gelten ab sofort für die kommenden fünf Jahre. Betroffen sind bestimmte Sorten von frischem und verarbeitetem Käse sowie Milch und Sahne mit einem bestimmten Fettgehalt, die primär zum Verzehr bestimmt sind.
Deutsche Unternehmen auf der Liste
Unter den betroffenen Firmen befinden sich mehrere deutsche Molkereien. Das Handelsministerium in Peking listete explizit das Deutsche Milchkontor, einen der größten Molkereibetriebe Deutschlands, sowie die niedersächsische Molkerei Ammerland auf. Weiterhin betroffen sind die Privatmolkerei Naarmann aus dem Münsterland und Arla Foods Deutschland, die zur dänisch-schwedischen Großmolkereigenossenschaft gehört.
Neben deutschen Unternehmen sind auch Firmen aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Italien von den Maßnahmen betroffen. Die Zollsätze variieren je nach Unternehmen zwischen 7,4 und 11,7 Prozent. Interessanterweise liegen diese endgültigen Sätze deutlich unter den im Dezember verhängten vorläufigen Zöllen, die zwischen 21,9 und 42,7 Prozent lagen.
Auswirkungen auf deutsche Hersteller
Der Milchindustrie-Verband bewertet die Auswirkungen der chinesischen Zölle auf den deutschen Milchsektor als "überschaubar". Grund hierfür ist, dass Käse und Rahm im Vergleich zu anderen EU-Ländern wie Italien und Frankreich nur einen geringen Anteil an den deutschen China-Exporten ausmachen. Von den Maßnahmen sind nach Verbandsangaben vor allem Italien und Dänemark betroffen.
Dennoch werden die Zölle für deutsche Exportfirmen spürbar sein. Ein Sprecher des Verbandes erklärte, dass Margen und Wettbewerbsfähigkeit im China-Geschäft erheblich belastet würden. Die deutschen Molkereien müssen sich auf geringere Gewinnspannen einstellen, was ihre Position auf dem chinesischen Markt schwächen könnte.
Chinas Bedeutung als Absatzmarkt
Laut Daten der EU-Kommission exportierte Deutschland im Jahr 2025 Milchprodukte im Wert von knapp 364 Millionen Euro nach China. Damit entfällt fast ein Viertel der gesamten EU-Ausfuhren auf die Bundesrepublik. China ist für Deutschland neben Großbritannien der wichtigste Drittland-Zielmarkt für Milchprodukte.
Allerdings sind die Exporte seit einigen Jahren rückläufig. Im Jahr 2021 lag der Exportwert noch bei 595 Millionen Euro, während er 2024 bereits auf etwa 373 Millionen Euro gesunken war. Grund für diesen Rückgang ist die deutlich ausgeweitete Milchproduktion in China selbst. Dennoch bleibt der chinesische Markt für die EU-Molkereien sehr relevant.
Ökonomische Perspektiven
Ökonom Thijs Geijer von ING Research kommentierte die Entwicklung: "Chinas finale Zölle sind zwar niedriger als befürchtet, doch der Marktzugang bleibt für die Produzenten eine Sorge." Er wies darauf hin, dass China lange als Wachstumsmarkt für EU-Milchexporteure galt, aber die Exportmengen von Produkten wie Käse bereits vor Einführung der Zölle unter Druck standen.
Geijer betonte weiter, dass die Zölle Chinas und auch der USA deutlich machen, dass die Branche weitere Märkte außerhalb Europas erschließen müsse. Die Diversifizierung der Exportmärkte wird für europäische Molkereien immer wichtiger, um nicht von einzelnen großen Abnehmern abhängig zu sein.
Hintergrund der chinesischen Maßnahmen
Seit August 2024 hatte das chinesische Handelsministerium EU-Milchprodukte wegen mutmaßlich unfairer Subventionen untersucht. Die Behörde erklärte nun, die importierten Milcherzeugnisse aus der EU seien subventioniert und würden damit chinesische Milchprodukte-Hersteller schädigen. Zwischen dem Schaden und den Subventionen bestehe ein kausaler Zusammenhang.
Ein Sprecher des Handelsministeriums betonte, die Untersuchung sei nach Prinzipien der Fairness, Unparteilichkeit und Offenheit verlaufen. Diese Argumentation ähnelt früheren Fällen gegen aus der EU importierte Schweinefleischprodukte oder Weinbrand, bei denen Peking ebenfalls den Anfangsverdacht bestätigte.
Handelskonflikt zwischen Peking und Brüssel
Pekings Untersuchungen werden allgemein als Gegenmaßnahme zu den von Brüssel 2024 eingeführten Zöllen auf in China hergestellte Elektroautos interpretiert. Im Fall der Milcherzeugnisse hatte sich die EU-Kommission bereits im Dezember besorgt über die Verhängung vorläufiger Aufschläge geäußert.
Ein EU-Sprecher hatte damals erklärt, die jüngste Untersuchung beruhe nach Einschätzung der Behörde auf fragwürdigen Vorwürfen und unzureichenden Beweisen. Die Maßnahmen seien ungerechtfertigt und unbegründet. Dieser Zoll-Schlagabtausch zeigt die angespannten Handelsbeziehungen zwischen der EU und China, die sich in verschiedenen Wirtschaftssektoren manifestieren.
Qualitätsimage europäischer Produkte
Europäische Milchprodukte genießen in China einen ausgezeichneten Ruf. Käse aus Frankreich oder Italien sowie Milch aus Deutschland sind bei chinesischen Verbrauchern besonders beliebt. Dieses Qualitätsimage wurde durch den sogenannten Melamin-Skandal von 2008 zusätzlich gestärkt, bei dem gepanschte chinesische Milchprodukte zu Nierensteinen bei Säuglingen führten.
Das Vertrauen chinesischer Konsumenten in heimische Marken wurde damals nachhaltig erschüttert, was europäischen Produkten zusätzliche Marktchancen eröffnete. Trotz der aktuellen Zölle bleibt dieses Qualitätsimage ein wichtiger Wettbewerbsvorteil für EU-Molkereien auf dem chinesischen Markt.



