Indische Marine meistert riskantes Manöver in der Straße von Hormus
Die indische Marine hat zwei Flüssiggas-Tanker sicher durch die strategisch bedeutende und aktuell vom Iran blockierte Straße von Hormus eskortiert. Dieses Manöver galt bei vielen Beobachtern zuvor als äußerst riskant, wurde jedoch erfolgreich durchgeführt. Im Persischen Golf warten derzeit Hunderte weiterer Schiffe darauf, die enge Meerenge zu passieren, um ihre wertvollen Öl- und Gaslieferungen auf die Weltmärkte zu bringen. Unter den wartenden Schiffen befinden sich auch deutsche Frachter, darunter allein sechs aus der Flotte der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd.
Deutsche Reedereien fordern militärischen Begleitschutz
Angesichts der steigenden Sicherheitsrisiken durch den anhaltenden Nahost-Konflikt fordert der Verband Deutscher Reeder (VDR) nun dringend militärischen Begleitschutz für Handelsschiffe. Die Frage, die sich stellt: Könnte die indische Marine diese Schutzaufgabe auch für deutsche Reeder übernehmen? Die enge Seepassage der Straße von Hormus bietet nur eine einzige Zufahrt und einen Ausweg, wie VDR-Hauptgeschäftsführer Martin Kröger dem Bayerischen Rundfunk erläuterte. An der engsten Stelle trennen Iran und Oman lediglich 39 Kilometer, was Tanker zu leichten Zielen für iranische Drohnenangriffe oder Seeminen macht.
Erst vergangene Woche wurde ein Containerschiff der Reederei Hapag-Lloyd nahe der Straße von Hormus von Splittern einer Artilleriegranate getroffen. Das knapp 250 Meter lange Schiff „Source Blessing“ fing daraufhin Feuer, wie ein Sprecher bestätigte. Dieser Vorfall unterstreicht die akute Gefahrenlage in der Region.
Besondere Beziehungen zwischen Indien und Iran
Dass die indischen Schiffe trotz dieser bedrohlichen Umstände sicher durchkamen, erklärt Indien-Expertin Dr. Samina Sultan vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW) mit den besonderen diplomatischen Beziehungen zwischen Neu-Delhi und Teheran. „Indien hat zu Iran besondere Beziehungen: Beide sind Teil des globalen Südens sowie des Brics-Staatenbundes. Auch deswegen ist der Iran jetzt auf Indien zugegangen: Es gab erfolgreiche Verhandlungen zwischen beiden Ländern. Jetzt erlaubt der Iran Indien, Tanker durch die Straße von Hormus zu bringen“, so Sultan.
Allerdings äußert sich die Expertin skeptisch, ob deutsche Reedereien von diesen privilegierten Beziehungen profitieren könnten. „Ich glaube nicht, dass Indien europäische Tanker mit seinem Militär schützen wird“, betont Sultan. Diese Einschätzung teilt auch Dr. Adrian Haack, Leiter des Auslandsbüros der Konrad-Adenauer-Stiftung in Neu-Delhi. Haack erklärt: „Indien handelt in der Regel interessengeleitet und ist um die eigene Energieversorgung besorgt.“ Die Inder würden darum „ihre Marine nicht für uns in Gefechte mit dem Iran verwickeln“.
Zukunft der deutschen Schifffahrt in der Region ungewiss
Die erfolgreiche Eskorte der indischen Marine zeigt zwar, dass sichere Durchfahrten prinzipiell möglich sind, doch für deutsche Schiffe bleibt die Situation prekär. Die Forderung des VDR nach militärischem Schutz unterstreicht die Dringlichkeit, während die Expertenmeinungen darauf hindeuten, dass eine Lösung nicht einfach von Indien übernommen werden kann. Die strategische Bedeutung der Straße von Hormus für den globalen Öl- und Gashandel macht eine baldige Klärung der Sicherheitsfrage jedoch unerlässlich.



