Zombie-Tanker: Irans geheime Ölflotte im Persischen Golf
Im Persischen Golf fahren Tanker, die längst verschrottet wurden – zumindest dem Namen nach. Hinter diesem Phänomen verbirgt sich ein gezieltes System des iranischen Regimes, um internationale Sanktionen zu umgehen. Sogenannte Zombie-Tanker nutzen die Identitäten bereits abgewrackter Schiffe, um mutmaßlich iranisches Öl durch die strategisch wichtige Straße von Hormus zu transportieren.
Das Prinzip der Identitätsübernahme
„Ein sogenanntes Zombie-Schiff nutzt die Identität eines bereits abgewrackten Schiffes weiter – also Namen, IMO-Nummer und weitere technische Identitätsmerkmale“, erklärt Schiffsdaten-Analyst Arsenio Longo. Die strukturelle Schwäche aktueller Überwachungssysteme macht dies möglich: Sie basieren auf von Schiffen gesendeten Angaben und ermöglichen keine laufende physische Verifikation auf hoher See.
Dieses Vorgehen ist kein neues Phänomen. Bereits früher nutzten Akteure aus Russland, Venezuela und Nordkorea die Identitäten verschrotteter Tanker zur Sanktionsumgehung. Besondere Bedeutung erlangte die Taktik ab April des vergangenen Jahres beim Export von venezolanischem Öl. Sie ist Teil der sogenannten Schattenflotte – meist unversicherte Tanker, die durch Tricks wie abgeschaltete Ortungssysteme, Eigentümerwechsel und Umladungen auf See ihre Herkunft verschleiern.
Teherans ausgeklügeltes Shuttle-System
Das iranische Regime hat dieses System perfektioniert. In den vergangenen Wochen durchfuhren mindestens zwei Tanker die eigentlich blockierte Straße von Hormus. Ein Schiff gab sich als LNG-Tanker „Jamal“ aus, obwohl das Original bereits im Vorjahr in Indien verschrottet worden war. Ein weiteres Zombie-Schiff nutzte die Identität des Tankers „Nabiin“, der schon 2021 in Bangladesch abgewrackt wurde.
„Auf Basis unserer Daten sieht es so aus, als ob ein Schiff unter unauffälliger Identität beladen durch den Korridor läuft, die Fracht wahrscheinlich außerhalb eines regulären Hafenumfelds entkoppelt und anschließend wieder leer in Richtung Golf zurückkehrt“, analysiert Longo die Vorgänge. So entsteht ein regelrechtes Shuttle-System durch die strategisch wichtige Wasserstraße.
Der Transportkreislauf der Schattenflotte
Der Ablauf folgt einem präzisen Muster: Im Persischen Golf übernimmt ein Zombie-Schiff seine Ladung – mutmaßlich iranisches Öl – per Schiff-zu-Schiff-Transfer. Mit dieser Fracht durchfährt das Schiff die für viele internationale Schiffe blockierte Passage der Straße von Hormus. Auf der anderen Seite, vor der Küste Omans, wird die Ladung auf ein reguläres Schiff übertragen.
Das Zombie-Schiff kehrt anschließend in den Persischen Golf zurück und beginnt den Kreislauf von vorn. Dieser ausgeklügelte Mechanismus ermöglicht es dem iranischen Regime, trotz internationaler Sanktionen weiterhin Öl zu exportieren und dabei die Überwachungssysteme der internationalen Gemeinschaft zu umgehen.
Die Zombie-Tanker stellen damit nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine sicherheitspolitische Herausforderung dar. Sie untergraben das internationale Sanktionsregime und demonstrieren die Grenzen maritimer Überwachungssysteme in einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt.



