Rüstungs-Start-up Arx Robotics: Interessenten bieten bis zu einer Milliarde
Arx Robotics: Gebote bis zu einer Milliarde Euro

Rüstung: Konzerne und Investoren zeigen Interesse an Arx Robotics

Wie das Handelsblatt exklusiv erfahren hat, gehören Traditionskonzerne und Finanzinvestoren zu den Interessenten. Bis zu einer Milliarde Euro sollen für das Start-up geboten worden sein. Nadine Schimroszik, Larissa Holzki

Berlin, Düsseldorf. Das Rüstungs-Start-up Arx Robotics zieht das Interesse von potenziellen Käufern auf sich. Mehreren mit den Verhandlungen vertrauten Personen zufolge soll Arx Robotics in den vergangenen Wochen ergebnisoffen mit Kaufanwärtern gesprochen haben. Das hat das Handelsblatt exklusiv erfahren.

„Wir wachsen enorm und expandieren stark. Das sorgt für ein großes Marktinteresse von anderen Rüstungsfirmen, aber auch Finanzinvestoren“, sagt Firmenchef Marc Wietfeld dem Handelsblatt. Er macht aber auch klar, dass bisher nur Gespräche stattfanden: „Es gibt keine Verkaufsverhandlungen.“ Wietfeld sagt: „Unsere Strategie ist auf Wachstum angelegt.“

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Konsolidierung in der Rüstungsbranche zeichnet sich ab

Experten gehen davon aus, dass Konsolidierung in der boomenden Rüstungsbranche erst noch kommt. Das hängt damit zusammen, dass die Start-ups nun die kostenintensive Skalierung ihrer Produkte stemmen müssen, wofür sie noch einmal mehr Kapital benötigen. Zudem gilt weiterhin, dass Beschaffer erfahrene Anbieter bevorzugen und Großkonzerne gern zukaufen, bevor sie im eigenen Haus innovieren. Letztlich stellt sich damit die Frage, welche Firmen in der Lage sind zuzukaufen und welche übernommen werden.

Welche Unternehmen konkret Interesse an Arx signalisiert haben, wollte Wietfeld nicht sagen. Mehreren Insidern zufolge, die der Firma nahestehen, soll die Liste allerdings ziemlich lang sein und von Traditionsrüstungskonzernen wie Rheinmetall aus Deutschland, Leonardo aus Italien und CSG aus Tschechien über andere Start-ups bis hin zu verschiedenen Finanzinvestoren aus der Risikokapital-, aber auch Private-Equity-Branche reichen. Rheinmetall, Leonardo wie auch CSG waren nicht für eine Stellungnahme erreichbar.

Kaufpreisspanne zwischen 400 Millionen und einer Milliarde Euro

In den Gesprächen sollen den fünf Insidern zufolge unterschiedliche Kaufpreise verhandelt worden sein, in der Spanne zwischen 400 Millionen Euro und knapp einer Milliarde Euro. Der Datendienstleister Dealroom bewertet Arx derzeit mit etwa 170 Millionen Dollar. Investoren sollen bei der bislang letzten Finanzierungsrunde im vergangenen Sommer allerdings einen höheren Betrag von etwa einer halben Milliarde veranschlagt haben.

Arx Robotics ist Teil der neuen Rüstungs-Start-ups

Arx Robotics gehört zu der neuen Generation an Rüstungs-Start-ups aus Deutschland. Die Firma wurde 2021, damals noch unter dem Namen Arx Landsysteme, von den früheren Bundeswehroffizieren Maximilian Wied, Marc Wietfeld und Stefan Roebel gegründet. Wietfeld agiert heute als Geschäftsführer, Wied verantwortet die Finanzen und Roebel das operative Geschäft.

Arx entwickelt und vertreibt autonome, unbemannte Fahrzeuge unter dem Namen Gereon. Die Fahrzeuge sind militärisch und zivil nutzbar. Vor einigen Monaten hat das Münchener Unternehmen zudem ein radgetriebenes, unbemanntes Bodenfahrzeug namens Hector auf den Markt gebracht. Außerdem entwickelt Arx das KI-Betriebssystem Mithra, mit dem bestehende Fahrzeugflotten nachgerüstet werden können. Diese können dann ebenfalls miteinander kommunizieren und autonom agieren.

Finanzierung und Umsätze

Im Gegensatz zu anderen deutschen Rüstungs-Start-ups wie Quantum Systems, Stark und Helsing hat Arx Robotics bisher vergleichsweise geringe Geldsummen eingesammelt. Nach Angaben auf der Website sind bisher etwa 42 Millionen Euro an die Firma geflossen, von Risikokapitalgebern wie Project A, HV Capital sowie dem Finanzarm des Militärbündnisses Nato, dem Nato Innovation Fund (NIF), aber auch dem Motorenhersteller Deutz.

Die Umsätze lägen über der eingesammelten Summe, sagt Wietfeld. „Wir sind kapitaleffizient. Das macht uns attraktiv.“ Das zeigen auch Partnerschaften mit dem Augsburger Rüstungszulieferer Renk und Daimler Truck. Aktuell sind sechs europäische Streitkräfte Kunden von Arx, darunter die Bundeswehr, das ukrainische Militär und seit Kurzem auch Großbritannien.

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Trotzdem ist Arx Robotics ein vergleichsweise kleiner Akteur in Deutschland. Ebenfalls erst vor wenigen Jahren gegründete Rüstungsfirmen wie Helsing und Stark haben deutlich größere Finanzierungsrunden gestemmt und werden von Investoren höher bewertet.

Zukunftspläne: Größere Finanzierungsrunde geplant

Helsing bereitet derzeit Insidern zufolge eine Finanzierungsrunde in Höhe von 1,2 Milliarden Dollar vor. Damit würde die Bewertung auf 18 Milliarden Dollar steigen, was Helsing wieder zum wertvollsten deutschen Start-up machen würde. Stark sowie das Drohnenunternehmen Quantum Systems stehen ebenfalls vor Finanzierungsrunden in Milliardenhöhe.

Trotz aller Kapitaleffizienz will auch Arx weiteres Geld bei Investoren einsammeln. „Wir planen früher oder später eine größere Finanzierungsrunde“, sagt Wietfeld. Da warte Arx aber auf den richtigen Zeitpunkt. Zugleich sei der Europafokus wichtig. „Bisher kommen unsere Investoren alle aus Europa“, sagt Wietfeld.

Je größer Finanzierungsrunden allerdings werden, desto schwieriger ist es, die Geldspritzen ausschließlich mithilfe von europäischen Kapitalgebern zu stemmen. Das liegt daran, dass es im Vergleich zu den USA in Europa weniger Risikokapitalgeber (VCs) gibt. Deren Fonds sind zudem kleiner. Deswegen sind sie kaum in der Lage, Finanzierungsrunden von mehr als 100 Millionen Euro anzuführen.

Spätestens mit der neuen Runde könnte Arx neben bekannteren Start-up-Wettbewerbern wie Helsing und Quantum Systems hervortreten. Das ist auch die Hoffnung von Wietfeld: „Bisher ist Arx vielleicht etwas unter dem Radar geblieben.“