Audi steigert Gewinn überraschend trotz Branchenkrise und US-Zölle
Der Ingolstädter Autobauer Audi hat im Geschäftsjahr 2025 entgegen dem allgemeinen Branchentrend seinen Gewinn deutlich gesteigert. Nach Steuern erwirtschaftete die VW-Tochter einen Nettogewinn von 4,6 Milliarden Euro, was einem bemerkenswerten Anstieg von 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2024 entspricht. Diese positive Entwicklung wurde am Dienstag von Audi offiziell bekannt gegeben und überraschte viele Marktbeobachter.
Ausgleichszahlung von VW als Haupttreiber
Der Gewinnanstieg ist jedoch nicht allein auf die operative Leistung zurückzuführen. Ein wesentlicher Faktor war eine umfangreiche Ausgleichszahlung der Konzernmutter Volkswagen aus Wolfsburg. Finanzchef Jürgen Rittersberger bezifferte diese Zahlung mit einem hohen dreistelligen Millionenbetrag. Insgesamt verdoppelte sich das Finanzergebnis des Audi-Teilkonzerns, zu dem neben der Kernmarke auch die Luxusmarken Bentley und Lamborghini sowie der Motorradhersteller Ducati gehören, auf 2,2 Milliarden Euro.
Gleichzeitig sank das operative Ergebnis um knapp 14 Prozent, was die Herausforderungen unterstreicht, vor denen Audi steht. Rittersberger kommentierte: „Wir haben ein anspruchsvolles Jahr finanziell robust abgeschlossen.“ Zu den Belastungen zählten insbesondere die neuen US-Zölle, die Audi 1,2 Milliarden Euro kosteten, sowie Rückstellungen für CO2 und der angekündigte Jobabbau mit jeweils 0,4 Milliarden Euro.
Fortschritte beim Jobabbau und Kostendisziplin
Beim geplanten Personalabbau hat Audi bereits deutliche Fortschritte erzielt. Von der ersten Tranche, die 6.000 Arbeitsplätze bis 2027 vorsieht, sind 65 Prozent bereits vollzogen oder vertraglich fixiert, was 3.900 Jobs entspricht. Bis 2029 sollen insgesamt 7.500 Stellen abgebaut werden. Neben der Ausgleichszahlung aus Wolfsburg wirkten sich gute Auslieferungszahlen zum Jahresende und eine hohe Kostendisziplin positiv auf das Ergebnis aus.
Herausforderungen in China und durch US-Zölle
Audi leidet unter dem starken Wettbewerbsdruck in China, wo im Bereich der Elektroautos und Hybride ein heftiger Preiskrieg herrscht. Das China-Geschäft, bei dem die Absätze sanken, wird aufgrund von Joint-Ventures nicht im Umsatz abgebildet. Für das laufende Jahr 2026 erwartet Audi weiterhin hohe Belastungen durch die US-Zölle, die auf einem ähnlichen Niveau wie 2025 liegen dürften, jedoch über zwölf statt neun Monate anfallen.
Die Entscheidung über ein mögliches eigenes Werk in den USA verzögert sich weiter. Konzernchef Gernot Döllner erklärte, dass die ursprünglich geplante Entscheidung nun im laufenden Jahr im VW-Konzernvorstand getroffen werden soll. Anders als Konkurrenten wie BMW verfügt Audi bisher über kein eigenes US-Werk und ist daher besonders anfällig für die dortigen Zollbelastungen.
Umsatzprognose und Margenziele
Für 2026 erwartet Audi einen Umsatz zwischen 63 und 68 Milliarden Euro, was in etwa dem Niveau von 2025 entspricht. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz um 1 Milliarde auf 65,5 Milliarden Euro. Trotz des anhaltenden Margen- und Effizienzdrucks strebt Audi eine operative Marge von 6 bis 8 Prozent an, deutlich über den 5,1 Prozent des abgelaufenen Jahres.
Wettbewerbslage in Deutschland
Mit dem Gewinnanstieg nähert sich Audi im innerdeutschen Wettbewerb seinen beiden großen Konkurrenten wieder an. BMW musste im vergangenen Jahr einen leichten Gewinnrückgang auf 7,5 Milliarden Euro hinnehmen, während Mercedes sogar einen Absturz auf 5,3 Milliarden Euro verzeichnete. Dies unterstreicht die relative Stärke Audis in einem schwierigen Marktumfeld.
Im Jahr 2025 lieferte Audi 1,62 Millionen Fahrzeuge der Kernmarke aus, dazu kamen 10.747 Lamborghini und 10.131 Bentleys. Diese Zahlen zeigen die breite Aufstellung des Konzerns, der weiterhin auf Effizienzsteigerungen und strategische Anpassungen setzt, um die Herausforderungen der globalen Automobilindustrie zu meistern.



