IG Metall protestiert bundesweit gegen VW-Sparpläne und Werksschließungen
Bundesweite Proteste gegen VW-Sparpläne

Die IG Metall hat mit bundesweiten Aktionen gegen die drohenden Werksschließungen und den weiteren Stellenabbau bei Volkswagen protestiert. Der VW-Aufsichtsrat kam am Nachmittag zu einer Sitzung zusammen, um über neue Sparpläne für den Konzern zu beraten. An mehr als einem Dutzend Standorte fanden Proteste statt oder waren geplant. In Wolfsburg versammelten sich mehrere hundert Personen zu einer Kundgebung direkt am Vorstandshochhaus, wo der Aufsichtsrat tagte.

Vier Werken droht Schließung

Konzernchef Oliver Blume hatte bereits im Frühjahr angekündigt, an einem neuen „Zielbild 2030“ zu arbeiten und den Sparkurs zu verschärfen. Laut „Manager Magazin“ könnten weltweit bis zu 100.000 Stellen wegfallen – doppelt so viele wie bisher geplant. Vier Werken des VW-Konzerns in Deutschland droht demnach die Schließung: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Der „Spiegel“ berichtet, dass die Fahrzeugproduktion dort bis Ende 2034 auslaufen könnte: Ab 2031 in Zwickau und Emden, 2032 bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover und 2034 bei Audi in Neckarsulm.

Vor der Aufsichtsratssitzung sagte ein Sprecher: „Die genauen Inhalte des Zukunftsplans und die damit verbundenen notwendigen Maßnahmen werden heute zwischen Aufsichtsrat und Vorstand der Volkswagen AG erörtert.“ Dabei gehe es unter anderem darum, Komplexität zu reduzieren, Beteiligung zu straffen, Entwicklung und Produktion regionaler auszurichten: „Und ja, wir werden auch Überkapazitäten abbauen müssen.“

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IG Metall kündigt Widerstand an

Die IG Metall will Widerstand gegen die „Brutalo-Pläne der Konzernspitze“ leisten, wie sie mitteilte. „Im ganzen Land haben die Kolleginnen und Kollegen heute die klare Ansage gemacht: So nicht!“, sagte Gewerkschafts-Chefin Christiane Brenner. „Sie haben geackert, sie haben Zugeständnisse gemacht. Statt sich diese Leistung zum Vorbild zu nehmen, konfrontiert der Vorstand die Beschäftigten mit neuen Abbauplänen. Die Wut und Verunsicherung, die dadurch entsteht, ist verständlicherweise groß.“ Die heutigen Proteste fielen noch vergleichsweise klein aus. Laut IG Metall handelt es sich nicht um einen Arbeitskampf, sondern um Informations- oder Protestveranstaltungen. Die Gewerkschaft kündigte jedoch an, „den Druck in der zweiten Jahreshälfte notfalls weiter zu erhöhen, sollte der Vorstand an seinen Plänen festhalten“.

Auftakt in Osnabrück

Den Auftakt der Proteste machte am Morgen Osnabrück, wo sich etwa 70 Vertrauensleute und Betriebsräte nach IG-Metall-Angaben vor dem Werkstor versammelten. Die Beschäftigten warteten seit zwei Jahren auf eine Entscheidung über die Zukunft des Werks, sagte der örtliche IG-Metall-Chef Stephan Soldanski: „Wir können uns sehr gut vorstellen, wie sich die Beschäftigten fühlen, wo spekuliert wird, was als Nächstes schließen soll.“ In Ingolstadt versammelten sich am Audi-Stammsitz rund 250 bis 300 Menschen zu einem Flashmob. Ein Sprecher sagte: „Wenn der Konzern glaubt, der Belegschaft Abbaupläne über die Presse mitteilen zu können, ist dies die Antwort – und nur ein kleiner Vorgeschmack.“ In Zuffenhausen protestierten spontan 250 Porsche-Beschäftigte. Geplant war ursprünglich nur ein Autokorso in Stuttgart mit rund 200 Fahrzeugen. Weitere Aktionen waren in Neckarsulm, Braunschweig, Stuttgart, Emden, Hannover, Kassel, Chemnitz, Dresden, Zwickau, Leipzig, München, Nürnberg und Salzgitter geplant.

Komplizierte Lage im Aufsichtsrat

Die Lage im Aufsichtsrat ist kompliziert – aus Sicht der Beschäftigten aber nicht ungünstig. Neben den Arbeitnehmervertretern hat sich auch das Land Niedersachsen ablehnend zu den Plänen geäußert. Werksschließungen seien keine Zukunftsstrategie, so Niedersachsens Vize-Regierungschefin Julia Willie Hamburg (Grüne). Das Land ist mit 20 Prozent an VW beteiligt; Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) und seine Stellvertreterin Willie Hamburg sitzen im Aufsichtsrat. Zusammen mit den zehn Arbeitnehmervertretern haben sie die Mehrheit – derzeit sogar deutlich, da einer der zehn Sitze der Kapitaleigner unbesetzt ist. Dass die Vorschläge des Vorstands unverändert eine Mehrheit finden, gilt daher als nahezu ausgeschlossen. Kampfabstimmungen sind im VW-Kontrollorgan bisher die absolute Ausnahme; in der Regel wird diskutiert, bis Einigkeit herrscht. Nach der Sitzung will Volkswagen zügig über mögliche Entscheidungen informieren.

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Bereits laufende Sparmaßnahmen

Bis 2030 hat VW bereits den Abbau von konzernweit 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. 35.000 Jobs sollen bei der Kernmarke wegfallen, der Rest bei Töchtern wie Audi und Porsche. Blume begründet die Ausweitung der Sparpläne mit sich verschärfenden Rahmenbedingungen: Zölle, Kriege, geopolitische Spannungen und härter werdende Konkurrenz sorgten für Gegenwind. Das bisherige Geschäftsmodell von VW, in Europa zu entwickeln und zu produzieren und weltweit zu verkaufen, funktioniere nicht mehr. Der Konzern müsse sich neu aufstellen und die Kosten weiter senken.