Julian Gotta aus dem Schwarzwald hat als Kind den Namen „Porsche Cayenne“ erfunden – eine Kreation, die heute weltbekannt ist. Zusammen mit seiner Familie denkt er sich Produktnamen aus, darunter Twingo, Smart oder Megaperls. Im Interview mit der Funke Mediengruppe erklärt er, wie man solche Namen entwickelt und wo die Grenzen liegen.
Wie ein Kind den Porsche Cayenne erfand
„Ich war vielleicht zehn Jahre alt, als mein Vater mich fragte, wie man ein großes Porsche-SUV nennen könnte“, erinnert sich Julian Gotta. „Ich schlug Cayenne vor – nach der Paprikasorte. Mein Vater fand es gut, und der Rest ist Geschichte.“ Der Name wurde 2002 für das erste SUV von Porsche verwendet und ist seitdem untrennbar mit dem Modell verbunden.
Die Familie Gotta ist bekannt für ihre Kreativität bei der Namensfindung. Sie erfanden unter anderem den Twingo für Renault, den Smart für Daimler und die Megaperls für einen Süßwarenhersteller. „Es ist ein Familienbetrieb“, sagt Gotta. „Mein Vater hat angefangen, und ich bin reingewachsen.“
Kann man Namensentwicklung lernen?
Auf die Frage, ob man das Erfinden von Namen lernen könne, antwortet Gotta: „Ja, aber es ist ein Handwerk. Man braucht ein Gespür für Sprache, für Klang und für die Assoziationen, die ein Wort auslöst. Kreativität ist wichtig, aber auch Disziplin.“ Er betont, dass viele Namen aus einer intensiven Recherche und vielen Iterationen entstehen. „Manchmal hat man einen Geistesblitz, aber meistens ist es harte Arbeit.“
Gotta arbeitet heute für die Funke Mediengruppe und berät Unternehmen bei der Namensentwicklung. „Dann komme ich an meine Grenze“, sagt er mit einem Lächeln. „Wenn ein Kunde einen Namen will, der alles kann, aber nichts sagt – das ist unmöglich. Ein guter Name muss einzigartig, einprägsam und rechtlich schützbar sein.“
Die Herausforderungen der Namensfindung
Die Namensentwicklung ist ein komplexer Prozess. „Wir prüfen, ob der Name in verschiedenen Sprachen negativ besetzt ist, ob er als Marke eingetragen werden kann und ob er zur Markenstrategie passt“, erklärt Gotta. „Ein Name muss Emotionen wecken, aber auch funktional sein.“
Der Erfolg gibt der Familie Gotta recht: Viele ihrer Kreationen sind zu Ikonen geworden. „Es ist ein schönes Gefühl, wenn man einen Namen hört und weiß: Den habe ich erfunden“, sagt Gotta. „Aber man muss auch mit Rückschlägen umgehen können. Nicht jeder Name wird ein Hit.“
Zukunft der Namensentwicklung
Mit der Digitalisierung ändern sich auch die Anforderungen an Namen. „Kurze, prägnante Namen sind gefragt, die auch in sozialen Medien funktionieren“, so Gotta. „Aber die Grundprinzipien bleiben gleich: Ein Name muss zur Marke passen und sich von der Konkurrenz abheben.“
Julian Gotta ist überzeugt, dass die Nachfrage nach professionellen Namensentwicklern steigen wird. „In einer Welt voller Marken ist ein guter Name Gold wert. Und den kann man nicht einfach per Zufall finden – da steckt viel Arbeit dahinter.“



