HSV-Transfersystem enthüllt: Vieira ist ein Spezialfall
HSV-Transfersystem: Vieira als Spezialfall

Der Hamburger SV hat sein neu entwickeltes Einkaufssystem für Spielertransfers enthüllt. Ein interner Bericht, der der Bild vorliegt, zeigt detailliert, wie der Zweitligist künftig bei Verpflichtungen vorgeht. Demnach setzt der Club auf eine datenbasierte Scouting-Methode, die Risiken minimieren und die Trefferquote erhöhen soll.

Das neue System im Detail

Laut dem Bericht analysiert der HSV künftig Spieler anhand von 15 Leistungskriterien, darunter Zweikampfquote, Passgenauigkeit und Laufleistung. Jeder Kandidat erhält eine Gesamtbewertung von 0 bis 100 Punkten. Nur Spieler mit mindestens 75 Punkten kommen in die engere Auswahl. Sportvorstand Stefan Kuntz sagte: „Wir wollen weg von Bauchgefühl-Transfers. Die Daten geben uns eine objektive Basis.“

Das System wurde von einem externen Datenunternehmen entwickelt und kostete den Verein rund 500.000 Euro. Es soll auch die medizinische Untersuchung und die psychologische Eignung der Spieler berücksichtigen. „Wir haben in der Vergangenheit zu viele Fehleinkäufe getätigt. Das soll sich ändern“, so Kuntz.

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Vieira als Ausnahme

Ein besonderer Fall ist der portugiesische Mittelfeldspieler André Vieira, der im Sommer 2024 verpflichtet wurde. Obwohl er im Scouting-System nur 68 Punkte erreichte, entschied sich der HSV für ihn. Grund: Vieira galt als „Spezialfall“ mit außergewöhnlichem Potenzial. Kuntz erklärte: „Vieira hatte eine hohe Fehlerquote in den Statistiken, aber sein Talent war unübersehbar. Das System kann nicht alles abbilden.“

Vieira kam ablösefrei von Benfica Lissabon und unterschrieb einen Vertrag bis 2027. In der laufenden Saison kam er auf 18 Einsätze, erzielte drei Tore und bereitete zwei Treffer vor. Die interne Bewertung des Transfers fällt gemischt aus: Während die sportliche Leitung zufrieden ist, kritisieren einige Scouting-Mitarbeiter die Abweichung vom System.

Auswirkungen auf die Transferpolitik

Der HSV plant, das System ab der kommenden Saison vollständig zu implementieren. Künftig sollen Transfers nur noch mit einer Punktzahl von mindestens 80 Punkten genehmigt werden. Ausnahmen wie bei Vieira sollen die absolute Seltenheit bleiben. „Wir müssen diszipliniert sein, um langfristig erfolgreich zu sein“, betonte Kuntz.

Der Club erhofft sich dadurch eine Reduzierung der Fehleinkäufe um 30 Prozent. Aktuell hat der HSV einen Kaderwert von rund 40 Millionen Euro. Mit dem neuen System sollen die Investitionen gezielter fließen. In den letzten drei Jahren gab der Verein über 15 Millionen Euro für Transfers aus, von denen nur rund die Hälfte die Erwartungen erfüllten.

Reaktionen aus der Liga

Andere Zweitligisten beobachten die Entwicklung mit Interesse. Ein Scouting-Chef eines Konkurrenzvereins sagte anonym: „Der HSV geht einen innovativen Weg. Ob es funktioniert, wird sich zeigen.“ Die Datengetriebene Scouting-Methode ist im deutschen Profifußball noch selten, gewinnt aber an Bedeutung.

Der HSV selbst sieht sich als Vorreiter. „Wir wollen nicht nur mithalten, sondern Maßstäbe setzen“, so Kuntz. Der Verein hofft, mit dem System den Aufstieg in die Bundesliga zu schaffen. Aktuell belegt der HSV Platz 4 in der 2. Bundesliga.

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