Hyundai Ioniq 9: Der Elektro-Koloss im Alltagstest
Mit beeindruckenden 5,2 Metern Länge und einem stolzen Gewicht von 2,7 Tonnen betritt der Hyundai Ioniq 9 die deutsche Straßenlandschaft. Dieser elektrische SUV präsentiert sich als wahres Monument auf Rädern, doch die entscheidende Frage bleibt: Kann sich der Riese auch im täglichen Einsatz bewähren?
Ein Schiff im städtischen Gewässer
Wer nach einem Fahrzeug sucht, das sich wie eine mobile Festung anfühlt, wird beim Ioniq 9 schnell fündig. Seine imposante Präsenz und massive Bauweise sind unübersehbar. Dank des elektrischen Antriebs profitiert der Koloss an vielen Orten noch von Parkvorteilen, die konventionellen Fahrzeugen verwehrt bleiben.
Schnellladefähigkeit überzeugt
Besonders beeindruckend zeigt sich die Ladeleistung des Elektro-Riesen. Mit bis zu 233 Kilowatt lädt der Ioniq 9 nicht nur schnell, sondern vor allem äußerst konstant. Bis zu einem Ladestand von 66 Prozent hält er 204 Kilowatt, bis 76 Prozent sind es noch respektable 187 Kilowatt. Der praktische Vorteil: Es werden keine seltenen 350-Kilowatt-Lader benötigt. Bereits mit 250 Kilowatt erreicht man in nur 24 Minuten eine Ladung von 10 auf 80 Prozent.
Innenraum: Amerikanische Dimensionen
Der Innenraum des Ioniq 9 bietet wahrhaft amerikanische Ausmaße. Neun Getränkehalter und vier Relax-Sitze warten auf die Insassen. Allerdings überraschen die Sitze selbst mit vergleichsweise kleinen Dimensionen. In der zweiten Reihe wird es für Personen mit 1,80 Meter Körpergröße bereits eng. Positiv zu vermerken ist die vollwertig nutzbare dritte Sitzreihe sowie die Mittelkonsole, die sich sowohl nach vorne als auch nach hinten öffnen lässt.
Die Sitze sind nicht nur längs verschiebbar, sondern auch drehbar gestaltet. Als Alternative steht optional eine Dreierbank zur Verfügung, die zusätzliche Flexibilität bietet.
Leistungsstarker Antrieb mit Einschränkungen
Hyundai liefert den Ioniq 9 ausschließlich mit einem 110-Kilowattstunden-Akku aus. Die Topversion beeindruckt mit 428 PS, Allradantrieb und einem Drehmoment von 700 Newtonmetern. Diese Kraft ermöglicht das Ziehen von bis zu 2,5 Tonnen Anhängelast.
Vorsicht ist jedoch beim Blick auf den Führerschein geboten: Durch das hohe Eigengewicht stoßen die Führerscheinklassen B und B96 mit Anhänger schnell an ihre Grenzen. Mit 3.320 Kilogramm zulässigem Gesamtgewicht nähert sich der Ioniq 9 bereits allein dem Limit der Führerscheinklasse B von 3,5 Tonnen. Auch die Erweiterung B96 mit 4,25 Tonnen wird durch die erlaubte Anhängelast frühzeitig ausgereizt.
Komfort versus Verbrauch
Der Geräuschkomfort des Elektro-SUVs ist erstklassig, der Antritt beeindruckend: In nur 5,2 Sekunden beschleunigt der Koloss auf 100 km/h. Bei 200 km/h ist allerdings Schluss. In schnellen Kurvenpassagen zeigt sich das Fahrwerk etwas schaukelig, während der Bremsweg von unter 35 Metern als stark zu bewerten ist.
Der Durchschnittsverbrauch liegt bei 27,3 Kilowattstunden, was einer Reichweite von 458 Kilometern entspricht. Bei konstanten 130 km/h reduziert sich die Reichweite auf 401 Kilometer. Mit über 450 Kilometern Testreichweite beweist der Ioniq 9 durchaus Autobahntauglichkeit.
Preis und Service
Der Grundpreis von 86.750 Euro erscheint auf den ersten Blick hoch. Allerdings punktet Hyundai mit einem zweijährigen Wartungsintervall und einer fünf Jahre währenden Garantie ohne Kilometerbegrenzung.
Fazit: Premium-Shuttle mit Einschränkungen
Als Premium-Shuttle – beispielsweise am Flughafen – erweist sich der Ioniq 9 als ideal. Für enge deutsche Innenstädte zeigt er sich jedoch zu wuchtig. Technisch überzeugt der Elektro-Riese durchweg, bietet riesigen Komfort und überraschenderweise auch Fahrspaß. Für den Alltagseinsatz müssen jedoch die Dimensionen und Führerscheinbeschränkungen sorgfältig bedacht werden.



