Das Münchner Ifo-Institut hat in den ersten drei Tagen nach Einführung des Tankrabatts nur eine unvollständige Weitergabe der Steuersenkung an den Zapfsäulen festgestellt. „Beim Diesel haben die Tankstellen von den 17 Cent Steuersenkung je Liter durchschnittlich 4 Cent weitergegeben. Beim Superbenzin waren es durchschnittlich 12 Cent“, erklärte Florian Neumeier, stellvertretender Leiter des Ifo-Zentrums für Finanzwissenschaft.
Methodik der Berechnung
Die Berechnungen des Ifo-Experten basieren auf den Spritpreisen in Deutschland und Frankreich sowie deren Bewegungen. Da die Spritpreise am Markt schwanken, ist es schwierig zu beurteilen, ob eine Veränderung auf den Tankrabatt oder auf normale Schwankungen zurückzuführen ist. Durch den Vergleich mit einem Land ohne eine solche Maßnahme lässt sich der Effekt besser isolieren. Die Ifo-Forscher begannen ihren Vergleich bereits am 23. April, dem letzten Tag vor dem Beschluss des Tankrabatts in Deutschland, um mögliche Preiserhöhungen vor dem Start auszuschließen. Dies ist besonders bei Diesel relevant, da der Preis zwischen Beschluss und Umsetzung deutlich anstieg.
Unsicherheiten bei Diesel
Bei Diesel gibt es jedoch eine gewisse Unsicherheit aufgrund eines verschärften Preisdeckels beim französischen Mineralölkonzern Total am Wochenende. Neumeier schließt nicht aus, dass sich dies in den Zahlen auswirkt, betont aber, dass sich die Zahlen in Österreich ähnlich wie in Frankreich entwickelt haben. Selbst unter Berücksichtigung dieses Einflusses bleibe die Rabattweitergabe bei Diesel schlechter als bei Benzin. „Die geringe Weitergabe beim Diesel könnte damit zusammenhängen, dass Deutschland Diesel importiert. Was am Wochenende getankt wurde, unterlag vermutlich noch der vollen Steuer“, so Neumeier.
Hintergrund und Reaktionen
Seit dem 1. Mai gilt in Deutschland ein Rabatt von 16,7 Cent auf neu ausgelieferte Kraftstoffe. Der ADAC und der Verbraucherzentrale Bundesverband hatten bereits kritisiert, dass der Rabatt nur teilweise bei den Autofahrern ankommt. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie (en2x) erklärte hingegen am Montag: „Gemessen an den Tankstellenpreisen am 30. April wird der Tankrabatt von den Markentankstellen voll weitergegeben. Ohne die Steuersenkung wären die Preise rund 17 Cent je Liter höher.“ Zudem verwies der Verband auf gestiegene Einkaufspreise.
Tankrabatt-Tracker und Kritik
Das Ifo-Institut führt die Berechnungen in einem öffentlich zugänglichen „Tankrabatt-Tracker“ fort. Grundsätzlich sehen die Münchner Wirtschaftsforscher den Tankrabatt kritisch. „Auch wenn die Politik kurzfristig einen günstigeren Benzinpreis an den Zapfsäulen erzielt hat, werden hiermit die falschen Anreize gesetzt“, sagte Neumeier. Angesichts der aktuellen Verknappung des Angebots trage diese Maßnahme nicht dazu bei, weniger Diesel und Benzin zu verbrauchen.



