Der deutsch-französische Rüstungskonzern KNDS, Hersteller des Kampfpanzers Leopard 2 und der Panzerhaubitze 2000, hat seinen geplanten Börsengang überraschend auf Eis gelegt. Das Unternehmen begründete den Schritt mit aktuellen Marktschwankungen und kündigte an, den Börsengang erst unter verbesserten Bedingungen fortzusetzen. Ursprünglich sollten die Aktien an den Börsen in Frankfurt und Paris platziert werden, was einer der größten europäischen Börsengänge im Verteidigungssektor der vergangenen Jahre gewesen wäre.
Bewertung von über 12 Milliarden Euro scheiterte an Investoren
Wie die „Financial Times“ berichtete, hatten die Eigentümer von KNDS Schwierigkeiten, Investoren von der geplanten Bewertung von mehr als 12 Milliarden Euro zu überzeugen. Zu Beginn des Jahres war laut „FT“ sogar noch eine Bewertung von 18 bis 20 Milliarden Euro im Gespräch. Das Unternehmen selbst teilte mit: „KNDS und seine Anteilseigner werden die Bedingungen an den Kapitalmärkten weiterhin genau beobachten und sind bereit, den Börsengang wieder aufzunehmen, sobald die Marktbedingungen das erlauben.“
Rüstungsaktien unter Druck – Rheinmetall verliert stark
Das Umfeld für Rüstungsaktien hatte sich zuletzt eingetrübt. So verlor der Wettbewerber Rheinmetall massiv an Wert: Der Aktienkurs der Düsseldorfer Waffenschmiede halbierte sich in einem Dreivierteljahr, erholte sich dann aber etwas. Auch andere Rüstungsfirmen wie der Elektronikkonzern Hensoldt und der Panzergetriebe-Lieferant Renk kamen unter Druck. Renk hatte seinen Börsengang im Herbst 2023 ebenfalls kurz vor dem Start abgesagt, wagte sich vier Monate später dann doch an die Börse – ein Beispiel, das Hoffnung für KNDS macht.
Politische Einigung zwischen Deutschland und Frankreich
Dem Börsengang war eine Einigung zwischen der deutschen und der französischen Regierung über die künftige Eigentümerstruktur vorausgegangen. Danach sollten die Bundesrepublik Deutschland und der französische Staat jeweils 40 Prozent an KNDS übernehmen, die restlichen 20 Prozent sollten im Zuge des Börsengangs an institutionelle Investoren gehen. Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte: „Wir respektieren die Entscheidung des Unternehmens, den Börsengang anzuhalten. Wir sind weiter daran interessiert, gemeinsam mit den französischen Partnern das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.“ Die vorausgegangenen Verhandlungen sicherten „den Schutz der beiderseitigen Sicherheitsinteressen auf Augenhöhe“.
Entstehung und Struktur von KNDS
KNDS entstand 2015 durch die Fusion von Krauss-Maffei Wegmann (Deutschland) und Nexter (Frankreich). Das Kürzel steht für KMW Nexter Defense Systems. Der Konzern beschäftigt rund 11.000 Menschen und erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro. Die übergeordnete Finanzholding hat ihren Sitz in Amsterdam, die deutsche Zentrale in München und die französische bei Paris. Aktuell befindet sich KNDS je zur Hälfte im Eigentum der deutschen Familie hinter Krauss-Maffei Wegmann und des französischen Staates.
Europäischer Waffenkonzern mit Pattsituation
Die Fusion sollte zeigen, dass ein europäischer Waffenkonzern möglich ist, der nicht von nationalen Eigeninteressen dominiert wird. Doch das entpuppte sich als Wunschdenken: Da kein Anteilseigner die Mehrheit hatte, entstand eine Pattsituation, und die deutschen und französischen Töchter gingen weiter eigene Wege. So setzte KNDS France weiter auf den Kampfpanzer Leclerc, der kein Verkaufserfolg war, während KNDS Deutschland den Leopard 2 vorantrieb. Auf der Pariser Rüstungsmesse präsentierte KNDS France den neuen Kampfpanzer Capint mit einer 140-Millimeter-Kanone, während KNDS Deutschland die modernste Variante des Leopard (2A8) mit 120-Millimeter-Kaliber zeigte. Immerhin stammt die Wanne des Capint von KNDS Deutschland – ein Zeichen begrenzter Zusammenarbeit.
Ausblick: Hoffnung auf bessere Marktbedingungen
KNDS und seine Anteilseigner wollen die Kapitalmärkte weiter beobachten und den Börsengang wieder aufnehmen, sobald die Bedingungen es zulassen. Das Beispiel Renk zeigt, dass eine Verschiebung nicht das Ende bedeuten muss. Der Panzergetriebe-Lieferant Renk, der mehr als 4000 Getriebe für Leopard-Kampfpanzer herstellt, sagte seinen Börsengang im Herbst 2023 ab und startete vier Monate später erfolgreich.



