Handel unter Druck: Pleitewelle im Einzelhandel
Der stationäre Einzelhandel in Deutschland erlebt eine schwere Krise. Laut Prognose des Branchenverbandes HDE wird die Zahl der Geschäfte in diesem Jahr erstmals unter 300.000 sinken. Jahr für Jahr schließen deutlich mehr Läden als neue eröffnen. Nun hat auch der Non-Food-Discounter Mäc Geiz einen Insolvenzantrag gestellt.
Mäc Geiz: Insolvenz in Eigenverwaltung
Die Mäc Geiz Handelsgesellschaft mbH beantragte diese Woche beim Amtsgericht Halle (Saale) ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Der Geschäftsbetrieb in den rund 180 Filialen soll vorerst weiterlaufen, Schließungen sind jedoch möglich. Das Unternehmen mit Sitz in Landsberg (Sachsen-Anhalt) beschäftigt knapp 1.200 Menschen. Als Gründe nennt Mäc Geiz die anhaltende Konsumzurückhaltung, wirtschaftliche Unsicherheiten und den wachsenden Onlinehandel. Viele Discounter profitieren zwar vom Preisbewusstsein der Kunden, doch das Beispiel Mäc Geiz zeigt, dass dies allein nicht reicht.
Jeder sechste Einzelhändler sieht Existenz bedroht
Laut der monatlichen Ifo-Konjunkturumfrage fürchten 17,4 Prozent der Einzelhändler um ihre Existenz – so viele wie nie zuvor. Die Zahl der Insolvenzen in der Branche ist auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. Der Kreditversicherer Allianz Trade verzeichnete im vergangenen Jahr 2.571 Fälle. Branchenexperten erwarten weiter steigende Insolvenzzahlen.
In den letzten Jahren sind viele Händler in die Insolvenz geraten: Die Unternehmensgruppe Brüder Schlau (Hammer) stellte im Juni 2025 und erneut Anfang 2026 Insolvenzanträge. Der Discounter Pepco und der Dekohändler Depot schlossen 2025 insolvenzbedingt viele Filialen. Zuvor traf es unter anderem Kodi (inzwischen von Mäc Geiz übernommen) und die Warenhauskette Galeria. Betroffen sind Unternehmen aller Einzelhandelsbranchen.
Immer mehr lokale Versorgungslücken
Der Einzelhandel befindet sich im Umbruch. Nach Angaben des IFH Köln werden nur noch 64 Prozent der Umsätze mit Waren der Kernbranchen in Verkaufsräumen erzielt. Der reine Produktverkauf verliert an Bedeutung, während handelsferne Bereiche wie Gesundheit, Freizeit und Dienstleistungen gewinnen. Die sinkende Zahl der Geschäfte spiegelt den Bedarf der Konsumenten kaum wider. Wegen lokaler Versorgungslücken weichen Kunden stärker ins Internet aus.
IFH-Experte Ralf Deckers sieht Fachhandel und Discounter gleichermaßen unter Druck. Sie stehen im wachsenden Wettbewerb mit asiatischen Shoppingplattformen, die vor allem bei jüngeren Konsumenten beliebt sind.
Temu und Shein kosten Milliarden
Das Forschungsinstitut IW Consult hat im Auftrag des HDE untersucht, wie stark Temu und Shein dem Einzelhandel zusetzen. Der Branche entgehen jährlich Umsätze von 2,5 Milliarden Euro, weil Verbraucher dort statt im deutschen Handel kaufen. Mäc Geiz verkauft Produkte des täglichen Bedarfs wie Haushaltswaren, Drogerieartikel und Schreibwaren – vieles davon ist auch bequem online bei Temu, Amazon oder anderen Plattformen erhältlich.
Ende 2015 gab es laut HDE noch etwa 372.000 Geschäfte in Deutschland. In den vergangenen Jahren haben bereits Zehntausende geschlossen. HDE-Präsident Alexander von Preen warnte: „Viele Innenstädte leiden heute schon sichtlich unter Leerständen. So kann und darf es nicht weitergehen.“ Besserung sei nicht in Sicht.



