Mercedes verschärft Sparkurs: 40-Stunden-Woche und Streichung von Sonderzahlungen
Mercedes verschärft Sparkurs: 40-Stunden-Woche geplant

Der angeschlagene Autobauer Mercedes-Benz verschärft seinen Sparkurs und plant tiefgreifende Einschnitte für die Belegschaft. Wie der Vorstand am Freitag in einem Rundschreiben mitteilte, wird die für Juli vorgesehene jährliche Sonderzahlung für die rund 90.000 Tarifbeschäftigten in Deutschland vorerst gestrichen. Stattdessen soll die Zahlung – der sogenannte Transformationsbaustein in Höhe von 18,4 Prozent des monatlichen Bruttoentgelts – nun erst im April des nächsten Jahres erfolgen. Der Konzern behält sich jedoch vor, die Zahlung ganz zu streichen. Wie viel Geld Mercedes dadurch einspart, wollte das Unternehmen nicht sagen. Schätzungen zufolge könnte der Cashflow um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag verbessert werden.

Rückkehr zur 40-Stunden-Woche gefordert

Doch das ist erst der Anfang. Das Management kündigte an, in den kommenden Wochen mit dem Betriebsrat über eine Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich zu verhandeln. „Wir sollten in allen Bereichen für das gleiche Geld mehr arbeiten“, heißt es in dem Schreiben. „Die Arbeitsstunde muss günstiger werden – in Entwicklung, Vertrieb, Verwaltung und Produktion.“ Derzeit gilt bei Mercedes eine 35-Stunden-Woche. Aufsichtsratschef Martin Brudermüller hatte bereits im Handelsblatt-Interview eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ins Spiel gebracht: „Es ist in unserer schwierigen Situation absolut zumutbar, wieder länger zu arbeiten. Wir sollten ernsthaft die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche angehen.“

Druck durch schwache China-Verkäufe und hohe Kosten

Mercedes steht vor allem wegen schwacher Verkaufszahlen in China, dem weltgrößten Automarkt, unter massivem Druck. Auch höhere Kosten infolge des Nahostkriegs und hausgemachte Probleme wie eine gefloppte Luxusstrategie sowie ein Zickzackkurs bei der Elektromobilität belasten den Konzern. Die Gewinne erodieren seit Jahren, die Absätze schrumpfen. Im ersten Quartal erzielte die Pkw-Sparte lediglich eine Marge von 4,1 Prozent und blieb damit weit hinter den eigenen Ansprüchen zurück. Mit einer Produktoffensive zwischen 2025 und 2027 will das Management um Konzernchef Ola Källenius gegensteuern. Dutzende neue Modelle kommen auf den Markt und schneiden in Tests gut ab. Doch: „Der Erfolg unserer Produktoffensive droht zu verpuffen, wenn zu hohe Kosten die Erträge auffressen“, warnen die Vorstände.

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Kostensparprogramm „Next Level Performance“ reicht nicht

Bereits vor einem Jahr hatte Mercedes das Programm „Next Level Performance“ aufgelegt, um die jährlichen Kosten dauerhaft um fünf Milliarden Euro zu senken. Doch das reicht offenbar nicht. Der Konzern will nun vor allem in der Produktion, bei Materialien und Beschäftigten sparen. Über ein freiwilliges Programm für Angestellte außerhalb der Produktion sind in Deutschland im vergangenen Jahr nach Informationen des Handelsblatts rund 5.500 Beschäftigte ausgeschieden. Zudem werden Produktionskapazitäten in Deutschland gekürzt und in Niedriglohnländern wie Ungarn oder Polen ausgebaut. Auch die Entwicklung in China wird gestärkt, um dort Produkte für den Weltmarkt zu entwickeln. „Manche Produkte und Verwaltungsfunktionen werden wir künftig an wettbewerbsfähigere internationale Standorte verlagern, um den Erfolg des Unternehmens langfristig zu sichern“, so der Vorstand.

Betriebsrat kritisiert Pläne scharf

Die Vorschläge dürften zu heftigen Diskussionen mit den Betriebsräten führen. Der Gesamtbetriebsrat von Mercedes teilte per Presseerklärung mit, dass die Debatte über längere Arbeitszeiten „gerade vor dem Hintergrund einer teilweise geringeren Auslastung an den deutschen Standorten kein überzeugendes Zukunftskonzept“ sei. „Wer Wettbewerbsfähigkeit in erster Linie über unbezahlte längere Arbeitszeiten definiert, macht es sich zu einfach.“ Auch die Streichung der Sonderzahlung sei nicht akzeptabel. Vom Vorstand seien Entscheidungen getroffen worden, die das Unternehmen viel Geld kosten würden. „Die Konsequenzen solcher Entwicklungen dürfen nicht einseitig auf die Belegschaft abgewälzt werden.“ Im Herbst steht die nächste Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie an, zu der auch Mercedes gehört. Bis dahin sind keine Verhandlungen über tarifliche Einschnitte möglich.

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