Berlin schwitzt: Die Temperaturen klettern bis zu 41 Grad am Wochenende. Die Auswirkungen sind bereits spürbar: Immer mehr Schulen gewähren hitzefrei, Veranstaltungen werden abgesagt, und die Feuerwehr bereitet sich auf ein arbeitsreiches Wochenende vor. Die Grünen fordern derweil kostenlosen Eintritt in klimatisierte Museen als Kühlorte.
Hitzefrei: Immer mehr Schulen verkürzen Unterricht
Aufgrund der extremen Hitze und überhitzter Klassenräume haben zahlreiche Schulen in Berlin den Unterricht verkürzt oder ganz aufgehoben. Die Eichendorff-Grundschule in Charlottenburg hat die Schulpflicht für heute komplett aufgehoben, bietet aber eine Betreuung an. Weitere Schulen, die auf Kurzunterricht umgestellt haben, sind unter anderem die Grundschule an der Victoriastadt in Lichtenberg, die Moabiter Grundschule in Mitte, das Schadow-Gymnasium in Zehlendorf, das Otto-Nagel-Gymnasium in Marzahn sowie die Maria-Montessori-Schule in Tempelhof. Viele Schülerinnen und Schüler erhalten hitzefrei und können nach Hause gehen.
Feuerwehr rüstet sich für Hitze-Einsätze
Die Berliner Feuerwehr stellt sich auf ein arbeitsreiches Wochenende ein. Kreislaufprobleme, Badeunfälle und andere hitzebedingte Notfälle werden erwartet. Bereits jetzt werden vereinzelt Kinder in Rettungsstellen behandelt. „Wir rechnen mit einer hohen Einsatzbelastung“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Die Hitze sei untypisch für den Monat, aber die Einsatzkräfte seien vorbereitet.
Grüne fordern Museen als Kühlorte
Die Grünen in Berlin fordern, dass Kunstmuseen als kostenlose Kühlorte geöffnet werden. „Klimatisierte Ausstellungen bieten eine ideale Zuflucht vor der Hitze“, sagte die kulturpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion. Sie kritisierte den mangelnden Hitzeschutz in der Stadt. Auch die Linken übten Kritik an der Senatsverwaltung und forderten mehr Maßnahmen für Obdachlose und ältere Menschen.
Amtliche Warnung vor extremer Hitze
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat für das Wochenende eine amtliche Warnung herausgegeben. „Am Samstag wird eine extreme Wärmebelastung erwartet“, hieß es. Besonders im dicht bebauten Stadtgebiet sei mit verringerter nächtlicher Abkühlung zu rechnen. Die Warnstufe lautet „Unwetter“. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) prognostiziert Temperaturen zwischen 38 und 41 Grad für Samstag und Sonntag.
ZLB sagt Veranstaltungen ab
Die Zentral- und Landesbibliothek Berlin (ZLB) hat wegen der Hitze alle Veranstaltungen in der Amerika-Gedenkbibliothek abgesagt. „Aktionen gegen Einsamkeit, Digital-Beratungen, Kreativworkshops für Familien und Spiel- und Leseangebote für Kinder fallen aus“, teilte die ZLB mit. Bei weiterem Temperaturanstieg müssten Bibliotheksräume geschlossen werden. Bereits morgens wurden in der Kinder- und Jugendbibliothek Temperaturen von über 30 Grad gemessen. „Bibliotheken sollten stets sichere und gut zugängliche öffentliche Aufenthaltsorte für alle sein – und zwar zu allen Jahreszeiten. Dass wir genau das gerade mal wieder nicht anbieten können, zeigt, wie dringend Berlin ein Bibliotheksgebäude braucht, das auf der Höhe der Zeit ist. Die Berliner*innen verdienen eine Bibliothek, die immer funktioniert“, sagte Jonas Fansa, Direktor der ZLB.
Wegner warnt vor Hitzegefahren
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) warnte auf der Plattform X vor den Gefahren der Hitzewelle. „Passen Sie auf sich auf und auch auf Ihre Mitmenschen!“ Besonders gefährdet seien ältere Menschen, kleine Kinder, Schwangere, Menschen mit Vorerkrankungen sowie Obdachlose und alle, die draußen arbeiten. Er empfahl, ausreichend zu trinken, die Mittagshitze zu meiden und Schatten oder kühle Räume aufzusuchen. Wegner verwies auf mehr als 240 Trinkbrunnen in der Stadt und die „Kühle-Orte-Karte“.
Berliner Philharmoniker lockern Kleiderordnung
Angesichts der erwarteten Hitze lockern die Berliner Philharmoniker ihre Kleiderordnung für das Saisonabschlusskonzert am Samstagabend in der Waldbühne. Das Konzert findet vor rund 22.000 Menschen statt. „Die Herren treten ohne Jackett auf, dafür mit einem schwarzen Hemd als Oberteil“, sagte eine Sprecherin. Die Ärmel dürften hochgekrempelt werden, die Damenoberteile müssen nur bis zum Ellenbogen reichen. Backstage gibt es Getränke und Kühlpacks. Besucher dürfen einen Liter alkoholfreies Getränk in Kunststoffflaschen mitnehmen. Das Konzert wird im Fernsehen und Radio übertragen.



