BVG-Busse sollen tote Baustellen in Berlin mit Kameras aufspüren
BVG-Busse: Kameras gegen tote Baustellen in Berlin

Berlin startet ein neues Projekt gegen das Chaos auf den Straßen: Ab Sommer werden die ersten 20 Busse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mit einer Spezialkamera hinter der Frontscheibe ausgestattet. Die Kameras erfassen vollautomatisch im Vorbeifahren Baustellen und deren Beschilderung. Eine Software des Fraunhofer-Instituts setzt die Informationen zu einer digitalen Karte zusammen. Das gab Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) am Dienstag bei einer Testfahrt durch Charlottenburg bekannt.

Projekt „Dikas“: Digitale Kontrolle von Arbeitsstellen an Straßen

Das Projekt trägt den Namen „Dikas“ – kurz für „Digitale Kontrolle von Arbeitsstellen an Straßen“. Bis Ende des Jahres sollen 100 Busse mit den Handykameras durch die Stadt fahren. Sie erfassen jede einzelne Baustellen-Bake, Markierungen auf der Fahrbahn sowie Verkehrszeichen. Die Aufnahmen werden nicht gespeichert, sondern überschrieben. Gesichter oder Kennzeichen würden nicht erfasst, betonte Ilja Radusch vom Fraunhofer-Institut. Der Busfahrer habe mit den Kameras keinerlei Arbeit, versicherte BVG-Chef Henrik Falk.

Ziel: Ungenehmigte Baustellen und Schlafbaustellen identifizieren

„Es geht uns um ungenehmigte Baustellen und um Schlafbaustellen“, sagte Bonde. Viele Baustellen in Berlin sind seit Jahren nicht genehmigt oder es passiert monatelang nichts – sogenannte tote Baustellen. Falk ergänzte, dass in dem „spannenden Projekt mehr drinsteckt“, etwa die Erfassung von Falschparkern. Das sei jedoch wegen strenger Datenschutzvorgaben nicht geplant.

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Problem: Fehlende Digitalisierung der Baustellenpläne

Ein zentrales Problem bleibt: Die Verkehrszeichenpläne der einzelnen Baustellen sind bislang nicht digital. Zunächst werden Menschen die von der Software gefundenen Baustellen mit den vorhandenen Plänen vergleichen. Geplant ist, dass künftig die Antragstellung für die Sondernutzung des öffentlichen Straßenlandes für Bauarbeiten ausschließlich digital erfolgen muss. Doch viele Baustellen existieren seit Jahren und liegen nur auf Papier oder in alten PCs vor. Fernes Ziel ist ein automatischer Abgleich zwischen den Busdaten und den Verwaltungsdaten, um Verstöße zu melden.

Vorteil: Regelmäßige Routen und Erkennung von Verstößen

BVG-Busse haben den Vorteil, dass sie regelmäßig die gleichen Strecken fahren. Die Software benötigt mehrere Fahrten, um fehlerfrei zu arbeiten. Zudem lässt sich so erkennen, wenn Baustellen plötzlich „wachsen“, weil Arbeiter eigenmächtig Zäune verschieben oder Schilder aufstellen. Wie sehr inzwischen Wildwest herrscht, zeigt ein aktuelles Beispiel aus Charlottenburg: Für die Sanierung eines Altbaus am Kaiserdamm – Bundesstraße 1/5 – sperrte der Bauherr ohne Genehmigung einen Fahrstreifen und die Parkspur. Der Bezirk zeigte sich empört und machtlos. Bonde sagte, dass gegen die Verantwortlichen Strafanzeige erstattet worden sei.

Finanzierung und Ausblick

Das Bus-Projekt ist zunächst bis Ende 2027 finanziert, Bonde sprach von 900.000 Euro. Ziel sei ein „automatisierter Abgleich zwischen dem angeordneten Soll-Zustand und dem tatsächlich vorgefundenen Ist-Zustand“. Langfristig sollen alle BVG-Busse mit Kameras ausgestattet werden, anschließend die Müllautos der BSR, die auch in kleine Straßen fahren. Spannend wird es, wenn die BVG-Busse tote Baustellen entdecken, für die die BVG selbst zuständig ist – wie die Spichernstraße in Wilmersdorf, wo die Sanierung der U-Bahn-Ausgänge seit August 2022 ruht. Bonde betonte die Wichtigkeit des Projekts, da in Berlin künftig noch mehr gebaut werde, etwa der Ausbau des Fernwärmenetzes und die resilientere Stromversorgung.

Im April hatte der Senat ein umfangreiches Programm „Baustellen koordinieren – Beeinträchtigungen reduzieren“ beschlossen. Das Land hat nun einen „Baustellenmanager“, der aber ehrenamtlich arbeitet und am Dienstag nicht dabei war. Bondes Versprechen: „Wir bringen Ordnung in ein komplexes System.“ Neben „Dikas“ gibt es auch „Gekas“, die Gemeinsame Kontrollgruppe Arbeitsstellen an Straßen für Vor-Ort-Kontrollen durch Behörden, an der die Bezirke Pankow, Reinickendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf beteiligt sind.

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