Spritpreis-Explosion in München: Tankrabatt-Debatte entbrannt
Spritpreis-Explosion: Münchner fordern Entlastung

Spritpreise erreichen neue Rekordmarken in München

Die Spritpreise in Deutschland und insbesondere in München klettern derzeit in schwindelerregende Höhen. Sowohl Diesel als auch die Benzinsorte Super E10 haben im bundesweiten Durchschnitt die psychologisch wichtige Zwei-Euro-Marke pro Liter überschritten. Diese Entwicklung löst bei Münchner Bürgern und lokalen Wirtschaftsvertretern kontroverse Diskussionen über mögliche Entlastungsmaßnahmen aus.

Preisentwicklung im Detail

Laut aktuellen Daten des ADAC kostete Super E10 am Morgen des 6. März 2026 im bundesweiten Durchschnitt 2,003 Euro pro Liter. Noch am Vortag lag der Preis bei 1,995 Euro. Dieselkraftstoff erreichte sogar 2,086 Euro, nachdem er am Mittwoch noch bei 2,054 Euro notierte. Im Tagesdurchschnitt des Mittwochs lag Diesel bereits bei 2,005 Euro, während E10 1,935 Euro kostete.

Interessant ist der Vergleich zu den Preisen vor Ausbruch des Krieges im Iran: Diesel ist seitdem um 25,9 Cent gestiegen, E10 um 15,7 Cent. Experten weisen darauf hin, dass Diesel normalerweise günstiger als Benzin ist, da er niedriger besteuert wird. Allerdings reagiert dieser Kraftstoff krisenanfälliger, da er auch als Ersatz für Gas verwendet wird und in der Industrie eine größere Rolle spielt.

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Stimmen aus der Münchner Bevölkerung

Die AZ hat verschiedene Münchner Bürger zu den steigenden Spritpreisen befragt:

  • Bernhard Schwenk (65), Kurator: "Dass die Preise steigen fürs Benzin, das betrifft nicht nur diesen Bereich, sondern das ist überall. Wir wissen, wie schnell sich das wieder ändern kann – für mich ist es relativ."
  • Felix Braun (29), Küchenchef: "Die steigenden Tankkosten sind eine starke Belastung. Die Kosten sind auf jeden Fall aufzufangen von der Bundesregierung in Form von Tankgutscheinen an kleine und mittlere Betriebe."
  • Pamela Scholz (40), Buchhändlerin: "Ich habe kein Auto, sondern einen E-Bike-Flitzer. Manche sagen, dass mein Buchladen eine geistige Tankstelle sei – hier lässt sich günstiger auftanken."

Forderungen nach einer Spritpreisbremse

Der ADAC fordert inzwischen, dass die Politik eine "vorübergehende Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe prüfen" müsse. Konkret schlägt der Autoclub vor, Diesel auf den EU-Mindeststeuersatz für Energie abzusenken und Benzin vergleichbar zu reduzieren. Dies würde für rund 15 Cent Entlastung je Liter Kraftstoff sorgen.

Auch der Münchner Verkehrsclub Mobil in Deutschland fordert eine Spritpreisbremse. Eine von ihm gestartete Online-Petition an die Bundesregierung hat bereits mehr als 14.000 Unterschriften gesammelt. Der Verein betont, dass Mobilität "kein Luxusgut, sondern Grundvoraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe, wirtschaftliche Stabilität und ein funktionierendes Alltagsleben" sei.

Wirtschaftsexperten warnen vor Tankrabatt

Führende Wirtschaftswissenschaftler aus München sehen einen möglichen Tankrabatt allerdings äußerst kritisch. Ifo-Präsident Clemens Fuest hält einen solchen Eingriff für volkswirtschaftlich schädlich. Sein Argument: Wenn Öl knapp und teuer sei, sollten die Verbraucher auch das Signal erhalten, davon etwas weniger zu verbrauchen. Dies sei eine der großen Stärken der Marktwirtschaft.

DIW-Chef Marcel Fratzscher positioniert sich ebenfalls deutlich gegen einen Tankrabatt: "Ein Tankrabatt, um höhere Spritpreise abzufedern, wäre ein teurer Fehler und die falsche Priorität der Bundesregierung." Stattdessen plädiert er für zielgenaue Entlastungen, insbesondere für Menschen mit geringen Einkommen. Als Beispiel nennt er eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel.

Der Energieexperte des RWI, Manuel Frondel, bezeichnet einen Rabatt als "sowohl ökologisch als auch ökonomisch bedenklich" und verweist auf die hohen Kosten, die 2022 bei einer Milliarde Euro pro Monat lagen.

Historischer Vergleich und Steueranteil

2022 hatte der Staat die Steuern auf Diesel und Benzin von Juni bis August deutlich gesenkt, um Autofahrer angesichts damals hoher Preise zu entlasten. Allerdings war der Preisanstieg zu Kriegsbeginn damals deutlich höher als in der aktuellen Situation.

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Ohne die im EU-Vergleich höchsten Abgaben auf Kraftstoffe "würde ein Liter Super statt rund zwei Euro lediglich etwa 90 Cent kosten". Dies unterstreicht den erheblichen Steueranteil an den aktuellen Spritpreisen und zeigt das Potenzial für mögliche steuerliche Entlastungsmaßnahmen.

Die Debatte um die richtige Reaktion auf die Spritpreis-Explosion in München und ganz Deutschland wird weiterhin mit großer Intensität geführt, während die Preise an den Tankstellen vorerst auf hohem Niveau verharren.