Tankstellen-Hamstern: Egoistisches Verhalten bei hohen Spritpreisen in Deutschland
Während der Corona-Pandemie waren es Toilettenpapier, Lebensmittel und Drogerieprodukte, die gehamstert wurden. Jetzt, da der Krieg im Nahen Osten den Ölpreis international in die Höhe treibt, sind es Benzin und Diesel. Spritpreise von über zwei Euro pro Liter sorgen deutschlandweit für Unruhe und Aufregung unter Autofahrern.
Comeback einer umstrittenen Praxis
Die Preistafeln an den Tankstellen bescheren einer umstrittenen Praxis ein unerwartetes Comeback: dem Hamstern von Kraftstoff. Krallten sich die Menschen früher alles aus den Supermarktregalen, was knapp zu werden schien, kramen sie nun offensichtlich Kanister von Dachböden und aus Gartenhäuschen hervor. Das Ziel ist es, möglichst viel vom noch halbwegs günstigen Sprit abzugreifen, bevor die Preise weiter steigen.
Ein Vergleich aus der jüngeren Vergangenheit zeigt, dass Hamstern kein neues Phänomen ist. Als es Berichte über knappe Medikamente in Apotheken gab, ließen sich manche ebenfalls zum Hamstern verleiten. Ende 2025 hatte der niedersächsische Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi (SPD) Hamsterkäufe in Apotheken deshalb als unsolidarisch bezeichnet. Dieselbe Kritik müssen sich nun jene gefallen lassen, die an Tankstellen eigensinnig hamstern.
Historische Parallelen und aktuelle Krise
„Hamstern ist unsolidarisch“, sagte bereits CDU-Politiker Armin Laschet im Frühjahr 2020 im Gespräch mit der „F.A.Z.“, als noch nicht absehbar war, wie lange Corona das Land in seinem Griff haben würde. Jetzt ist eine neue, andere Krise mitten in der Gesellschaft angekommen. Genauso unsolidarisch ist das Hamstern bei Benzin und Diesel.
Dabei haben sich die Bombardements im Nahen Osten noch gar nicht unmittelbar auf den Ölpreis ausgewirkt. Was jetzt an den Zapfsäulen gezapft wird, wurde lange davor verarbeitet und nach Europa geliefert. Die aktuelle Panik ist daher weitgehend unbegründet und trägt nur zur Verschärfung der Situation bei.
Folgen des egoistischen Verhaltens
Wer nun so viel aus den Tankkesseln abzweigt, wie irgend möglich, denkt nur an sich selbst und an den eigenen Geldbeutel. Mehr noch: Dieses zurecht umstrittene Verhalten sorgt für lange Schlangen an den Tankstellen und in zweiter Konsequenz für eine aufgeladene, aggressive Stimmung.
Wie ein überlieferter Streit zwischen Autofahrern aus Augsburg eindrucksvoll dokumentiert hat, kann dies zu Konflikten und Spannungen führen. Das ist weder solidarisch noch sozial. Es ist einfach nur egoistisch und schadet dem Gemeinwohl.
Appell an die Vernunft
Teurer Sprit ärgert uns alle, das ist verständlich. Aber, liebe Autofahrer, fangt bloß nicht wieder mit diesem unsäglichen Hamstern an! Stattdessen sollten wir besonnen handeln und uns an die Grundsätze der Solidarität erinnern. Nur so können wir gemeinsam durch diese schwierige Zeit kommen und unnötige Konflikte vermeiden.



