Ein aus einem Gehege ausgebrochener Tiger hat am Sonntagmittag in Dölzig bei Leipzig einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. Das männliche, ausgewachsene Tier verletzte zunächst einen 73-jährigen Helfer der Dompteurin Carmen Zander, bekannt als „Tiger-Queen“, und floh anschließend rund 300 Meter weit in eine Kleingartenanlage. Dort wurde es von der Polizei mit mehreren Schüssen aus einer Langwaffe getötet. Nach Angaben der Beamten war der Tiger maximal eine halbe Stunde im Freien unterwegs.
Helfer verletzt – Tiger entkommt aus Gehege
Gegen 13 Uhr griff der Tiger den Helfer im Gehege an und verletzte ihn leicht. Der 73-Jährige wurde nach Informationen der BILD in ein Krankenhaus eingeliefert und stationär aufgenommen. Wie das Tier ausbrechen konnte, ist noch unklar. Dutzende Polizisten suchten die Raubkatze, die bis zu einem mit Maschendraht umzäunten Kleingartenareal gelangte. Eine Polizeisprecherin erklärte gegenüber BILD: „Im Bereich der Gartenanlage wurde der Tiger erschossen.“
Keine Gefahr mehr – Drohne überprüft Gebiet
Die Polizei gab Entwarnung: Weitere Tiger aus der Gruppe seien nicht ausgebrochen. „Für die Bevölkerung besteht keine Gefahr mehr“, so die Sprecherin. Dennoch werde das Gebiet mit einer Drohne überprüft, um auszuschließen, dass Tiere wie Pferde gerissen oder verletzt wurden. Bislang gebe es darauf keine Hinweise. Die Dompteurin Carmen Zander stand nach dem Vorfall weinend an ihrem Auto, sichtlich schockiert.
Haltung der Tiger seit Jahren umstritten
Carmen Zander, einst eine gefeierte Dompteurin in europäischen Zirkussen, ist mit ihrer Tigerhaltung in Dölzig seit Langem in der Kritik. Sie hält etwa zehn Tiger unter beengten Bedingungen in einem Gewerbegebiet. Seit 2022 darf sie die Tiere nicht mehr kommerziell zur Schau stellen, da immer mehr Zirkusse auf Wildtiernummern verzichten. Die Behörden verlangen nun Haltungsbedingungen wie in Zoos oder Wildtierparks – für fünf Tiger wären 500 Quadratmeter nötig, die Zander auf ihrem Gelände nicht bieten kann.
Bereits Anfang 2025 kamen sechs Tigerbabys zur Welt, die Zander als „Unfälle“ bezeichnete. Die Dompteurin musste sich zudem vor Gericht verantworten, weil sie gegen das Auftrittsverbot verstieß – aus finanziellen Gründen, da sie monatlich 4500 Euro für Futter aufbringen muss. Biologin Dr. Yvonne Würz von PETA kritisierte die Haltung scharf: „Das ist keine Tierliebe, sondern Ausbeutung.“
Behörden handeln: Tiger werden abtransportiert
Nach dem Ausbruch ließen die Behörden Anfang Juli sechs Tiere abtransportieren. Sie wurden an eine Tierschutzorganisation übergeben und sollen in eine Auffangstation nach Spanien gebracht werden, wie das Landratsamt Nordsachsen mitteilte. Grund seien Tierschutzbelange: Das Areal im Schkeuditzer Ortsteil Dölzig sei für die Anzahl der Tiger zu klein gewesen. Der Bürgermeister von Schkeuditz, Rayk Bergner, forderte bereits am Sonntag: „Die Tiger müssen weg. Mit drei Ausrufezeichen. Es muss jetzt unbedingt eine Lösung her, die Behörden müssen das klären.“



