VW-Betriebsversammlung: Erster Blick auf elektrischen Golf 9 und Forderung nach stärkerer Wolfsburg-Zentrale
Bei der traditionellen Betriebsversammlung von Volkswagen in Wolfsburg hat die Belegschaft einen ersten Ausblick auf den kommenden vollelektrischen Golf 9 erhalten. Allerdings nur als schwarz-weiße Silhouette auf der Großbildleinwand vor mehreren Tausend Beschäftigten. Das Seitenprofil des neuen Modells ähnelt dabei stark dem des aktuellen Golf 8.
Wolfsburg als Herzstück der Golf-Produktion
Betriebsratschefin Daniela Cavallo betonte, dass der Golf auch in der neunten Generation ein echter Wolfsburger bleiben werde. „Dass die erste Skizze nun hier gezeigt wird, ist eine großartige Wertschätzung für die Belegschaft“, erklärte sie. Volkswagen plant, die Produktion des aktuellen Verbrenner-Modells ab der zweiten Jahreshälfte 2027 nach Mexiko zu verlagern, um in Wolfsburg Platz für den Umbau auf E-Modelle zu schaffen.
Ende des Jahrzehnts soll im Stammwerk dann der vollelektrische Nachfolger anlaufen. Cavallo versicherte den Mitarbeitern: „Der E-Golf aus Wolfsburg ist jetzt schon verbindlich beschlossen - ohne Wenn und Aber.“ Sorgen über mögliche Planänderungen seien daher unbegründet.
Kritik an Tochtergesellschaften und Forderung nach mehr Konzernkontrolle
Gleichzeitig übte die Betriebsratschefin deutliche Kritik an den Tochtergesellschaften Audi und Porsche. „Wolfsburg muss wieder stärker Dreh- und Angelpunkt für den gesamten Konzernverbund sein“, forderte sie laut Redemanuskript. „Alleingänge einzelner Marken können wir uns schlicht nicht mehr leisten.“
Cavallo kritisierte die aktuelle Situation als „Kraut und Rüben“ und bemängelte fehlende Disziplin. Sie forderte die Konzernspitze um Oliver Blume auf, Machtworte zu sprechen, „um Marken-Egoismen einzufangen“. Nur durch klare Vorgaben und den nötigen Durchgriff aus dem Konzernvorstand ließen sich Synergien im Konzern nutzen und gemeinsame Ziele erreichen.
Positive Signale von der Konzernführung
Markenchef Thomas Schäfer bezeichnete das Jahr 2026 mit Blick auf ein halbes Dutzend geplanter Weltpremieren als entscheidend für Volkswagen. „Die Marke Volkswagen kommt voran, die Zahlen zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagte er. „Diesen Stand haben wir uns hart erarbeitet. Die Richtung stimmt, aber wir sind noch nicht im Ziel und dürfen jetzt nicht nachlassen.“
Konzernchef Oliver Blume, der eigentlich nicht auf der Rednerliste stand, wandte sich ebenfalls mit einem kurzen Statement an die Belegschaft. „Wir gehen voran in der Mobilität der Zukunft“, betonte er. Dieser Erfolg sei das Verdienst der gesamten Belegschaft und zugleich Ansporn für den Konzern.
Offene Frage der Anerkennungsprämie
Noch ungeklärt bleibt die von Cavallo geforderte Anerkennungsprämie für alle Tarifbeschäftigten bei VW. Der Vorstand werde darüber erst nach der kommenden Betriebsratswahl entscheiden, so die Betriebsratschefin. Hintergrund der Forderung ist die überraschend gute Kassenlage, die der Konzern im Januar gemeldet hatte. Cavallo hatte daraufhin gefordert, die Belegschaft an den sechs Milliarden Euro Cashflow zu beteiligen.
Die Betriebsversammlung bei Volkswagen hat Tradition für Weltpremieren: 2023 wurde hier der neue Tiguan enthüllt, vergangenes Jahr im September bekam die Belegschaft als erste den ID. Polo zu sehen. Die jüngste Veranstaltung unterstrich einmal mehr die strategische Bedeutung Wolfsburgs für den gesamten Volkswagen-Konzern.



