VW-Krise: Konzern zu groß und zu bürokratisch – Experte analysiert
VW-Krise: Konzern zu groß und zu bürokratisch

Volkswagen steckt in einer tiefen Krise: Der Autobauer kämpft mit schlechten Quartalszahlen, plant Standortschließungen in Deutschland und bereitet Massenentlassungen vor. BILD-Wirtschaftsredakteur Jasper Bitter analysiert die Ursachen und erklärt, wie es zu dieser dramatischen Situation kommen konnte.

Ursachen der Krise: „Viel zu groß, viel zu bürokratisch“

„VW ist viel zu groß, viel zu bürokratisch!“, sagt Bitter. Der Konzern leide unter einer übermäßigen Komplexität und mangelnder Flexibilität. Hinzu komme der verschärfte Wettbewerb, insbesondere durch chinesische Hersteller, die mit günstigen Elektroautos den Markt aufrollen. „VW hat den Anschluss an die Elektromobilität verpasst und produziert zu teuer“, so Bitter.

Die Absatzzahlen brechen ein: Im ersten Halbjahr 2026 sank der weltweite Absatz um 8 Prozent auf 4,3 Millionen Fahrzeuge. Besonders stark fiel der Rückgang in China mit minus 15 Prozent aus. Auch in Europa gingen die Verkäufe um 5 Prozent zurück. Die Folge: Die Lagerbestände wachsen, die Rabatte steigen.

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Standortschließungen und Massenentlassungen

Konzernchef Oliver Blume kündigte bereits an, dass die Produktion an mehreren Standorten gedrosselt oder ganz eingestellt werden müsse. „Wir müssen unsere Kosten drastisch senken und die Strukturen verschlanken“, sagte Blume in einer internen Mitteilung. Betroffen sein könnten die Werke in Emden, Zwickau und Dresden. Insgesamt stehen bis zu 30.000 Arbeitsplätze auf der Kippe.

Die IG Metall und der Betriebsrat leisten heftigen Widerstand. Betriebsratschefin Daniela Cavallo warnte: „Wir werden nicht zulassen, dass die Belegschaft für Managementfehler büßen muss.“ Dennoch scheint der Sparkurs unausweichlich. Analysten rechnen mit einem Stellenabbau von mindestens 20 Prozent in der deutschen Produktion.

Auswirkungen auf die Zulieferer

Die Krise trifft nicht nur VW selbst, sondern auch die gesamte Zulieferindustrie. Vom Autozulieferer bis zum Bäcker um die Ecke – die VW-Krise zieht riesige Kreise. In der Region Wolfsburg, wo VW der größte Arbeitgeber ist, fürchten viele um ihre Existenz. Ein Zulieferer aus Braunschweig berichtet: „Unsere Aufträge sind um 30 Prozent eingebrochen. Wir müssen Kurzarbeit anmelden.“

Laut einer Studie des Ifo-Instituts sind in Deutschland rund 300.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt von VW abhängig. Sollten die Werkschließungen wie geplant umgesetzt werden, droht eine Kettenreaktion mit weiteren Entlassungen in der Region.

Was jetzt wichtig ist

Bitter sieht drei zentrale Hebel für eine Wende: Erstens müsse VW die Modellpalette radikal verschlanken und sich auf profitable Kernsegmente konzentrieren. Zweitens sei eine deutliche Senkung der Fixkosten nötig, etwa durch den Abbau von Hierarchien. Drittens müsse der Konzern endlich wettbewerbsfähige Elektroautos zu erschwinglichen Preisen auf den Markt bringen.

„VW hat noch eine Chance, aber die Zeit drängt“, so Bitter. „Wenn der Konzern nicht schnell handelt, könnte er zum Sanierungsfall werden.“ Die kommenden Monate werden zeigen, ob der Umbau gelingt – oder ob VW in der deutschen Industriegeschichte ein weiteres Kapitel des Niedergangs schreibt.

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