Stimmung am Tiefpunkt: VW-Mitarbeiter äußern sich zu drastischen Einsparungen
Im Wolfsburger Stammwerk von Volkswagen herrscht nach den jüngsten Unternehmenszahlen eine gedrückte Atmosphäre. Wie am Dienstag bekannt wurde, hat sich der operative Gewinn der deutschen Traditionsmarke halbiert – eine Entwicklung, die massive Konsequenzen nach sich zieht: Bis zum Jahr 2030 sollen insgesamt 50.000 Stellen in Deutschland wegfallen. Die Mitarbeiter blicken mit großer Sorge in die Zukunft, viele zeigen sich bereits resigniert.
Schweigen und Galgenhumor am Werkstor
Zur Mittagszeit strömen die Beschäftigten durch das Tor Ost des Werksgeländes: Ein Teil verlässt die Produktion, andere beginnen ihre Spätschicht. Obwohl zahlreiche Angestellte angesprochen werden, wollen die meisten nicht öffentlich Stellung beziehen. Ein älterer Mann in VW-Jacke winkt ab und erklärt: „Da halte ich mich raus, das ist ein gefährliches Ding. Aber die Stimmung ist schlecht, das kann ich Ihnen sagen.“
Ein Arbeiter bringt die allgemeine Lage auf den Punkt, als er leise bemerkt: „Der Laden geht den Bach runter.“ Mit einem Lachen setzt er seinen Weg fort – eine Form von Galgenhumor, die unter den Kollegen nicht ungewöhnlich ist.
Persönliche Betroffenheit und langjährige Frustration
Liane A. (47) arbeitet seit 1994 bei Volkswagen, aktuell in der Kommissionierung im Logistikbereich. Sie rechnet damit, von den angekündigten Stellenkürzungen direkt betroffen zu sein. „Ich kann es nicht ändern, dann muss ich mir eben einen neuen Job suchen“, sagt sie mit einer Mischung aus Pragmatismus und Resignation. Fotografieren lassen möchte sie sich nicht, da sie noch ein Haus abzuzahlen hat.
Die schlechte Stimmung im Werk sei kein neues Phänomen, betont sie. „Das ist hier seit der Dieselkrise so“, erklärt die langjährige Mitarbeiterin. Ihr Eindruck: „Ich habe das Gefühl, der Laden wird gewollt an die Wand gefahren. Im Ausland zu produzieren, ist billiger.“
Vom Stolz zur Scham: Ein Wertewandel
Früher sei man stolz gewesen, bei Volkswagen beschäftigt zu sein, erinnert sich Liane A. „Heute schäme ich mich, wenn ich meinen Arbeitgeber nenne. Man ist einfach nur noch froh, einen Job zu haben.“ Viele Kollegen kämen mittlerweile ausschließlich wegen des Geldes zur Arbeit. „Das war früher anders. Jetzt warten manche nur noch auf ihre Aufhebungsverträge.“ Selbst im täglichen Betrieb zeige sich die Krise deutlich: „Vieles funktioniert nicht mehr.“
Andere Mitarbeiter reagieren mit bitterer Ironie auf die Situation. „Die Stimmung ist großartig“, sagen sie sarkastisch, wenn sie nach der Gemütslage in der Produktion gefragt werden.
Einzelne Stimmen des Optimismus
Doch nicht alle teilen den vorherrschenden Pessimismus. Lars Rose (56), der seit 31 Jahren bei Volkswagen arbeitet und seine aktuelle Tätigkeit als „Vorbereitung auf den Ruhestand“ bezeichnet, sieht die Lage differenzierter. „Andere gehen bei der Lage pleite, wie Stellantis, die machen Minus. Wir machen bei VW immerhin Gewinn, die Probleme kommen von Porsche.“
Zwar räumt auch er ein, dass Unruhe in der Produktion herrsche. „Aber das Gesamtjahr ist besser als erwartet. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.“ Inzwischen ist auch sein Sohn im Wolfsburger Werk beschäftigt – eine persönliche Verbindung, die seine Hoffnung auf eine positive Entwicklung zusätzlich unterstreicht.
Die unterschiedlichen Reaktionen der Belegschaft spiegeln die komplexe Situation wider, in der sich Volkswagen derzeit befindet. Während einige bereits mit den Konsequenzen der Unternehmensstrategie hadern, versuchen andere, trotz der schwierigen Zahlen eine positive Perspektive zu bewahren.



