VW und Mercedes gegen IG Metall: Heftigster Konflikt der Autoindustrie
VW und Mercedes gegen IG Metall: Heftigster Konflikt

Die deutsche Automobilindustrie steuert auf den heftigsten Konflikt ihrer Geschichte zu. Volkswagen plant, vier Werke stillzulegen, während Mercedes die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche fordert. Die Gewerkschaften, insbesondere die IG Metall, sehen sich in Rückzugsgefechten, die sie kaum gewinnen können. Dies berichten Alexander Demling, Markus Dettmer, Martin Hesse und Timo Schober im SPIEGEL 28/2026.

Volkswagen: Vier Werke vor dem Aus

Volkswagen-CEO Oliver Blume hat angekündigt, dass der Konzern vier Werke in Deutschland schließen will. Betroffen sind Standorte, die bisher als sicher galten. Die Jobgarantien, die lange Zeit als unantastbar galten, wackeln nun. VW-Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo sagte: „Selbst die Jobgarantien wackeln. Das ist eine Zäsur für die Belegschaft.“ Der Schritt ist Teil eines umfassenden Sparprogramms, das den Konzern wettbewerbsfähiger machen soll.

Mercedes: Rückkehr zur 40-Stunden-Woche

Parallel dazu fordert Mercedes-Benz die Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Bislang gilt bei Mercedes eine 35-Stunden-Woche. Der Vorstand argumentiert, dass die höhere Arbeitszeit notwendig sei, um die Produktionskosten zu senken und gegen die Konkurrenz aus China bestehen zu können. Die IG Metall lehnt dies strikt ab. „Eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich ist für uns nicht verhandelbar“, erklärte ein Sprecher der IG Metall.

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Die Rolle der IG Metall

Die IG Metall steht unter enormem Druck. In beiden Konflikten geht es um grundlegende Errungenschaften der Arbeitnehmer: Arbeitsplatzsicherheit und Arbeitszeitverkürzung. Die Gewerkschaft hat bereits zu Warnstreiks aufgerufen. In den vergangenen Wochen kam es zu mehreren Arbeitsniederlegungen, an denen sich Zehntausende Beschäftigte beteiligten. Die IG Metall fordert von beiden Konzernen, die geplanten Maßnahmen zurückzunehmen und in Verhandlungen einzutreten.

Auswirkungen auf die Beschäftigten

Für die Beschäftigten bei Volkswagen und Mercedes sind die Ankündigungen ein Schock. Viele arbeiten seit Jahrzehnten in den Werken und fürchten um ihre Existenz. Bei Volkswagen sind allein an den vier bedrohten Standorten rund 30.000 Arbeitsplätze in Gefahr. Bei Mercedes könnte die Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche faktisch zu einem Lohnverlust von rund 12,5 Prozent führen, wenn kein Ausgleich gezahlt wird.

Branche in der Krise

Die Krise der deutschen Automobilindustrie hat viele Ursachen: die schwache Nachfrage nach Elektroautos, der Preiskampf mit chinesischen Herstellern und die hohen Energiekosten. Experten sehen die Branche vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. „Die deutschen Autobauer müssen ihre Kosten drastisch senken, um zu überleben. Das führt zwangsläufig zu Konflikten mit den Gewerkschaften“, sagte Professor Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM).

Ausblick

Die Tarifverhandlungen zwischen IG Metall und den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie beginnen im Herbst. Die Gewerkschaft hat bereits angekündigt, notfalls mit harten Streiks zu reagieren. Die Arbeitgeber hingegen pochen auf mehr Flexibilität und niedrigere Lohnnebenkosten. Der Konflikt könnte sich über Monate hinziehen und die gesamte Branche lähmen. Ob die IG Metall ihre Position halten kann, ist fraglich. Der Druck von Seiten der Unternehmen ist so groß wie nie zuvor.

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