Der Deutsche Fechter-Bund (DFB) hat bei den Europameisterschaften im französischen Antony zwei Medaillen errungen – so viele wie zuletzt vor vier Jahren bei einer reinen EM. Während dies in den glorreichen Zeiten von Olympiasiegerinnen wie Anja Fichtel oder Britta Heidemann als Enttäuschung gewertet worden wäre, gilt es heute als durchschnittliche Ausbeute. Sportdirektor Tobias Kirch zeigt sich dennoch nicht unzufrieden: „Ich bin nicht unzufrieden“, sagte er nach dem Turnier.
Einmal Silber, einmal Bronze
Die Medaillen holten Degenfechterin Alexandra Ehler mit überraschendem Silber im Einzel sowie die Florett-Mannschaft der Herren mit Bronze am letzten Wettkampftag. „Die Jungs haben richtig gut performt und sich diese Medaille mehr als verdient“, lobte Benjamin Kleibrink, Olympiasieger von 2008 und heutiger Florett-Bundestrainer. Doch ob dies die Trendwende für den einst erfolgsverwöhnten Verband darstellt, bleibt fraglich.
Herausforderungen im Einzel und bei Olympia
Im Einzelwettbewerb war Ehler die einzige Deutsche, die das Viertelfinale erreichte. „Gerade im Einzel hätte ich mir zumindest schon noch die eine oder andere Top-Acht-Platzierung mehr gewünscht“, räumte Kirch ein und betonte die Notwendigkeit schrittweiser Steigerung. Nach drei Olympischen Spielen ohne Medaille – 2016 in Rio, 2021 in Tokio und 2024 in Paris – steht der DFB vor großen Herausforderungen. In Paris war das deutsche Fechten mit nur zwei Athleten am absoluten Tiefpunkt angekommen; kein Team qualifizierte sich in Säbel, Florett oder Degen.
Ziele für Los Angeles 2028 und Brisbane 2032
Für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles hat der DFB das Ziel, wieder Mannschaften zu qualifizieren. Langfristig peilt der Verband die Sommerspiele 2032 im australischen Brisbane an, um „wieder bewusst die Medaillenplätze anzugreifen“, so Kirch. Der Weg dorthin ist jedoch steinig, auch finanziell.
Finanzielle Einschnitte und Strukturreformen
Die Erfolglosigkeit hat finanzielle Folgen. „Wir haben schon nach Paris finanzielle Einschränkungen erhalten und Kürzungen bekommen. Nicht im Personalbereich, aber in dem Bereich der Jahresplanung, wo es vor allem darum geht, zentrale Lehrgangsmaßnahmen und internationale Turniere besuchen zu können“, erklärte Kirch. Rund 180.000 Euro pro Jahr seien gestrichen worden. Seit Paris hat der DFB Veränderungen angeschoben: Die Nachwuchsförderung wurde gestärkt, frühere erfolgreiche Athleten wie Kleibrink als Trainer integriert und altersübergreifende Schwerpunkte an den Stützpunkten gesetzt. „Wir wollen unsere eigene DNA wieder stärker in den Fokus setzen und professionalisieren in den unterschiedlichsten Bereichen“, sagte Kirch.
Wachsende Konkurrenz und professionellere Bedingungen im Ausland
Dass Deutschland an die größten Erfolgszeiten anknüpft, hält Kirch für unrealistisch. „Diese Erfolge schafft ja keine Nation heutzutage mehr in dieser Fülle. Das kann man nicht mehr schaffen.“ Die Konkurrenz sei größer geworden: „Gerade asiatische Länder und die USA sind viel stärker geworden. Noch vor 15 Jahren war Fechten sehr europalastig, das hat sich verändert.“ Zudem seien die Bedingungen im Ausland teilweise professioneller. „In Deutschland ist die finanzielle Belastung für die Fechterinnen und Fechter sehr hoch, denn nur ein kleiner Kreis kann vollständig durch die Bundesmittel finanziert werden und ist durch die Sportfördergruppen der Bundeswehr und Polizei finanziell unabhängig“, erklärte Kirch.
Fazit: Verbesserungsbedarf trotz EM-Erfolg
Trotz der zwei EM-Medaillen sei die Ausbeute bei den vergangenen drei Olympischen Spielen und auch bei zurückliegenden Welt- und Europameisterschaften zu wenig gewesen. „Wir müssen deutlich besser werden. Wir müssen in den Bereich kommen, dass wir es schaffen, Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen wieder irgendwann zu holen“, forderte Kirch. Die Zeiten sollen sich schnellstmöglich ändern – dieses Mal zugunsten des deutschen Fechtsports.



