Die ING hat eine Warteliste für das neue Altersvorsorgedepot eröffnet, das die Riester-Rente ablösen soll. Doch Anlageexperte Fabian Behnke vom Vermögensverwalter Vanguard rät Sparerinnen und Sparern zur Vorsicht: Es bestehe kein Grund zur Eile, da die konkreten Produkte noch nicht marktreif seien.
Hintergrund: Das Altersvorsorgedepot ab 2027
Das Altersvorsorgedepot soll ab dem 1. Januar 2027 die Riester-Rente ersetzen und die gesetzliche Rente ergänzen. Der Staat fördert das private Sparen dann mit bis zu 540 Euro jährlich plus einer Kinderzulage. Ziel ist es, die Deutschen stärker an den Renditen des Kapitalmarkts zu beteiligen. Die ING kündigte bereits im April an, zum Start ein entsprechendes Angebot bereitzustellen, doch konkrete Produkte sind bislang nicht verfügbar.
ING-Warteliste: Frühe Information, aber kein Druck
Interessierte können sich jetzt auf der ING-Website in eine Warteliste eintragen. Die Direktbank verspricht, per E-Mail über Neuigkeiten zu informieren. Newsletter-Abonnenten sollen zu den ersten gehören, die 2027 ein Altersvorsorgedepot abschließen können. Behnke warnt jedoch vor überstürzten Entscheidungen: „Anlegerinnen und Anleger sollten sich beim Altersvorsorgedepot nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Im Hinblick auf die Förderung macht es keinen Unterschied, ob das Altersvorsorgedepot am 1. Januar 2027 oder erst später im Jahr eröffnet wird.“ Wer ausreichend einzahlt, erhält die vollen Zuschüsse unabhängig vom Startzeitpunkt.
Offene Fragen und Produktentwicklung
Laut Behnke gibt es noch viele ungeklärte Details: „Es bestehen noch viele offene Fragen – etwa zu den regulatorischen Rahmenbedingungen, zur konkreten Ausgestaltung und zu den steuerlichen Details.“ Solange diese nicht endgültig geklärt seien, sei es für Anbieter kaum möglich, marktreife Produkte aufzulegen. Dennoch zeigt er sich zuversichtlich, dass ab Januar 2027 erste Altersvorsorgedepots verfügbar sein werden, da Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften intensiv an Lösungen arbeiten.
Kostenvergleich und Anlagestrategie
Behnke empfiehlt, sich ausreichend Zeit für die Auswahl zu nehmen: „Die konkreten Angebote dürften sich in ihrer Ausgestaltung, ihren Kosten und den verfügbaren Anlagemöglichkeiten teilweise erheblich unterscheiden.“ Entscheidend seien neben den langfristigen Gebühren auch die persönliche Anlagestrategie. Die Altersvorsorge sei „ein Marathon, kein Sprint“.
Alternative: ETFs als Sofortlösung
Wer jetzt schon vorsorgen möchte, muss nicht auf das staatlich geförderte Depot warten. Die Verbraucherzentralen empfehlen Sparpläne auf Aktien-ETFs mit breiter weltweiter Streuung und niedrigen Kosten. Beispiele sind ETFs auf den FTSE Developed World Index oder den MSCI World Index mit jährlichen Gebühren ab 0,05 Prozent. Solche Indexfonds lassen sich bereits ab einer monatlichen Rate von einem Euro besparen – auch bei der ING.
Hinweis: Aktien, Immobilien und andere Investments sind mit Risiken verbunden, ein Totalverlust ist möglich. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen stellen keine Kauf- oder Verkaufsaufforderung dar und ersetzen keine fachliche Beratung.



