Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat ein alternatives Rentenkonzept vorgelegt, das ein steigendes Rentenniveau ohne Verlängerung der Lebensarbeitszeit verspricht. Eine eigens eingesetzte DGB-Rentenkommission schlägt vor, das gesetzliche Rentenniveau von derzeit 48 Prozent auf zunächst 50 und später 53 Prozent anzuheben. Zusammen mit einer verpflichtenden betrieblichen Altersvorsorge sollen so im Ruhestand 70 bis 90 Prozent des letzten Nettoeinkommens erreicht werden.
Finanzierung durch Arbeitgeber und Gutverdiener
Das Konzept sieht vor, dass Arbeitgeber verpflichtet werden, für alle Beschäftigten eine betriebliche Altersvorsorge anzubieten und dafür zwei Prozent des Bruttolohns allein zu tragen. Die gesetzliche Rentenversicherung soll durch leicht erhöhte Beiträge und einen höheren Bundeszuschuss finanziert werden. Für diesen „Demografiezuschuss“ sollen hohe Einkommen, große Vermögen und Kapitaleinkünfte herangezogen werden. Zudem sollen Selbstständige und Politiker in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen – ein Schritt hin zu einer Erwerbstätigenversicherung für alle.
„Es geht nicht um Mathematik oder die Personenzahl in bestimmten Altersgruppen. Es geht um die gerechte Verteilung des Wohlstands, um gute Arbeit, gute Löhne und gute Renten“, heißt es im Ergebnispapier der DGB-Kommission.
Abgrenzung zu den Regierungsplänen
Die offizielle Rentenkommission der Bundesregierung hatte am Dienstag 33 Empfehlungen vorgelegt, die Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) zügig umsetzen wollen. Kern der Regierungspläne ist eine Kapitalrente, bei der Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam zwei Prozent des Bruttolohns einzahlen. Anders als beim DGB-Konzept soll das Rentenalter schrittweise weiter steigen, und die vorzeitige Rente ohne Abschläge nach 45 Berufsjahren soll abgeschafft werden – beides lehnt der DGB strikt ab.
Die Regierungskommission setzt auf drei Säulen: gesetzliche, betriebliche und private Altersvorsorge, um ein Ziel von 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens zu erreichen. Der DGB lehnt das Modell der Kapitalrente unter dem Dach der gesetzlichen Rente ab, zeigt sich jedoch offen für eine Ergänzung des Umlagesystems durch einen Kapitalstock, der über Steuern finanziert wird.
Offene Fragen und weiteres Vorgehen
Ob das DGB-Konzept oder Teile davon politisch durchsetzbar sind, ist offen. Das elfseitige Papier ist deutlich knapper als die umfassenden Pläne der Regierungskommission. Erst im Sommer will der DGB einen längeren Abschlussbericht vorlegen. DGB-Chefin Yasmin Fahimi hatte bereits einige Punkte der Regierungspläne gelobt, etwa die Zielmarke von 70 Prozent des letzten Nettolohns und die Pläne zur Ausweitung des Kreises der Einzahler sowie zur Reform der Minijobs.



