Nach fünfjährigem Streit hat der digitale Euro eine entscheidende Hürde genommen. Der Ausschuss für Wirtschaft und Währung (ECON) des EU-Parlaments stimmte am Dienstagmittag dem Rechtsrahmen zur Einführung der digitalen Währung zu. Das Prestigeprojekt von EZB-Chefin Christine Lagarde (70) rückt damit in greifbare Nähe, da das Parlament in der Regel dem Ausschussvotum folgt.
Warum der digitale Euro nötig ist
Befürworter argumentieren, dass bargeldlose Zahlungen in Europa derzeit fast ausschließlich über US-Anbieter wie Mastercard, Visa oder PayPal abgewickelt werden. Solange die transatlantischen Beziehungen stabil waren, galt dies als unproblematisch. Doch unter der US-Regierung von Donald Trump (80) wuchsen die Spannungen, was die Sorge schürte, dass Europa bei Zahlungsdiensten erpressbar werden könnte. Der digitale Euro soll als europäische Alternative die strategische Autonomie stärken.
Bargeld bleibt erhalten – aber mit Einschränkungen?
Sparkassen-Verbandspräsident Ulrich Reuter unterstützt das Ziel der Unabhängigkeit, fordert aber zugleich, die Bargeldnutzung „weiter zu stärken“. Genau hier liegen die Bedenken der Gegner: Eine Petition zum „Schutz von Bargeld“ sammelte 350.000 Unterstützer. Sie befürchten eine „Negativspirale“, da immer mehr öffentliche Stellen – von Bürgerbüros über Kfz-Zulassungsstellen bis zu Gesundheitsämtern – auf Kartenzahlung drängen. Die AfD warnt vor „Big-Brother“-Risiken für die Privatsphäre.
Der Beschlussentwurf sieht jedoch vor, dass die Nutzung der „digitalen Geldbörse“ anonym bleibt. Zudem sind Annahmepflichten für Bargeld verankert, die das Bezahlen mit Schein und Münze auch künftig sichern sollen. „Keine Bargeldannahme“-Schilder sollen verboten werden, wie der CSU-EU-Abgeordnete Markus Ferber (61) betont: „Der digitale Euro soll nicht Bargeld, sondern amerikanische Bezahlsysteme ersetzen. Mastercard und Visa sind heute fest in amerikanischer Hand.“
Zeitplan und nächste Schritte
Die Abstimmung im EU-Parlament ist noch vor der Sommerpause geplant. Danach folgen Verhandlungen mit den Mitgliedstaaten, die bereits grundsätzlich grünes Licht gegeben haben. Läuft die Testphase im Sommer 2027 erfolgreich, könnte der digitale Euro im Januar 2029 eingeführt werden.



