Die Europäische Zentralbank (EZB) erwägt Insidern zufolge, die Mindestreserve für Banken zu verdoppeln, um ihre Zinsausgaben um Milliarden Euro zu senken. Sechs mit dem Vorgang vertraute Personen bestätigten der Nachrichtenagentur Reuters, dass die Währungshüter darüber debattierten, den Anteil der Kundeneinlagen, den Geldhäuser unverzinst bei der Notenbank parken müssen, von einem auf zwei Prozent zu erhöhen. Eine Entscheidung wird bis zum Herbst erwartet, wobei der EZB-Rat den Vorschlag bislang nicht offiziell diskutiert hat. Ein Sprecher der Notenbank lehnte eine Stellungnahme ab.
Hintergrund der Mindestreserve-Debatte
Die Mindestreserve war auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise im Jahr 2012 von zwei auf ein Prozent gesenkt worden. Eine erneute Anhebung würde vor allem Notenbanken in liquiditätsreichen Ländern wie Deutschland helfen, Verluste aus der Verzinsung von Überschussreserven zu reduzieren. Diese Überschussreserven waren durch die Anleihekaufprogramme des vergangenen Jahrzehnts auf Billionenhöhe angewachsen.
Aktuell zahlen die EZB und die 21 nationalen Zentralbanken der Euro-Zone 2,25 Prozent Zinsen auf Überschussliquidität in Höhe von rund 2,16 Billionen Euro. Dies führt zu jährlichen Ausgaben von etwa 48,7 Milliarden Euro. Eine Verdopplung der unverzinsten Mindestreserve würde diese Zinslast um fast vier Milliarden Euro verringern.
Auswirkungen der Zinserhöhungen
Die Kosten sind zuletzt gestiegen, nachdem die EZB den Einlagensatz in diesem Monat von zwei auf 2,25 Prozent angehoben hatte, um die Inflation infolge des Iran-Kriegs einzudämmen. Hohe Verluste der Zentralbanken gelten als politisch heikel, da sie die Ausschüttungen an die Staatshaushalte belasten. Die Diskussion über die Mindestreserve ist Teil der Bemühungen, diese Belastung zu reduzieren.



