Die italienische Großbank Unicredit hat ihre Beteiligung an der Commerzbank im Zuge ihres Übernahmeangebots deutlich ausgebaut. Wie das Mailänder Institut am Mittwoch mitteilte, haben Aktionäre dem Geldhaus im Rahmen der Offerte, die von Anfang Mai bis zum vergangenen Freitag lief, 17,60 Prozent der Commerzbank-Aktien angedient. Dadurch steigt der Anteil der Italiener von 26,77 auf 44,37 Prozent.
Unicredit kontrolliert nun fast die Hälfte der Commerzbank-Aktien
Neben den direkt gehaltenen Aktien verfügt Unicredit weiterhin über Finanzinstrumente in Höhe von 3,22 Prozent, die in Commerzbank-Papiere umgewandelt werden können. Insgesamt kontrolliert das Institut damit 47,59 Prozent der Commerzbank-Aktien. Hinzu kommen Derivate, die sich Unicredit in bar auszahlen lassen kann. Unicredit war 2024 bei der Commerzbank eingestiegen und strebt eine vollständige Übernahme des 156 Jahre alten Geldhauses an. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp, die Beschäftigten und die Bundesregierung, die mit rund 13 Prozent zweitgrößter Aktionär ist, lehnen dies jedoch ab.
Angebotspreis wurde zum Ende attraktiver
Im Rahmen der Offerte bot Unicredit 0,485 eigene Aktien je Commerzbank-Aktie. Während des Großteils der Annahmefrist lag der Angebotspreis unter dem Commerzbank-Kurs, was das Angebot für Aktionäre unattraktiv machte. Dennoch sammelte Unicredit mehr Aktien ein als erwartet. Nach dem Ende der ersten Annahmefrist am 16. Juni hatten Aktionäre nochmals vom 20. Juni bis 3. Juli die Möglichkeit, ihre Papiere zu verkaufen. Da sich die Unicredit-Aktie zuletzt besser entwickelte, wurde das Angebot zum Ende hin attraktiver. Am vergangenen Freitag kostete eine Unicredit-Aktie 81,96 Euro, was rechnerisch 39,75 Euro pro Commerzbank-Aktie entsprach – rund zwei Euro über dem Schlusskurs der Commerzbank von 37,72 Euro. Die Auswirkungen von Dividendenzahlungen sind dabei nicht berücksichtigt. Der Aktientausch wird voraussichtlich erst im zweiten Quartal 2027 umgesetzt, wenn alle behördlichen Genehmigungen vorliegen. Die endgültige Attraktivität hängt von der Kursentwicklung ab.
Orlopp warnt vor Wertvernichtung und Hängepartie
Commerzbank-Chefin Orlopp empfahl ihren Aktionären, das Angebot abzulehnen, da es keine angemessene Übernahmeprämie enthalte. Zudem befürchtet sie, dass Unicredit-Chef Andrea Orcel mit seinen Plänen, die Commerzbank grundlegend umzubauen, Wert zerstören würde. Orcel hat angekündigt, im Falle einer Übernahme allein in Deutschland 7000 Vollzeitstellen zu streichen und das Auslandsnetz der Commerzbank auszudünnen. Orlopp lehnt dies strikt ab, da das Auslandsnetz besonders im Geschäft mit Mittelständlern ein wichtiger Wettbewerbsvorteil sei. Bei zwei persönlichen Treffen am 26. März und 2. April sowie einem Telefonat am 28. Mai fanden Orlopp und Orcel keinen Weg, ihre Differenzen auszuräumen. „Dann würden wir in einer Sackgasse stecken, weil sich keine der beiden Parteien wirklich bewegen könnte“, warnte Orlopp kürzlich auf einer Investorenkonferenz von Goldman Sachs. Sie fürchtet zudem Kundenverluste: „Bisher sind die Kunden der Commerzbank glücklicherweise sehr treu. Allerdings lässt sich nicht vorhersagen, wie sich das ändern könnte, wenn sich das Ganze zu einer Hängepartie entwickelt.“
Orcel setzt auf Hauptversammlung 2027
Orcel verweist darauf, dass er mit einer Mehrheit auf der Hauptversammlung 2027 den Aufsichtsrat und anschließend den Vorstand der Commerzbank austauschen könnte. Er sei seinen Aktionären verpflichtet, seine Umbaupläne „so schnell und entschlossen wie möglich umzusetzen“, sagte er kürzlich auf einer Investorenkonferenz von Mediobanca. Sollte Orcel 2027 alle Vertreter der Kapitalseite im Aufsichtsrat austauschen, wäre dies ein Affront gegen die Bundesregierung. Unicredit müsste dann auch die von der Bundesregierung nominierte Aufsichtsrätin Sabine Lautenschläger-Pleiter abwählen, deren Mandat noch bis 2029 läuft. Der Bund darf seit der staatlichen Rettung der Commerzbank in der Finanzkrise 2008 zwei Vertreter für den Aufsichtsrat vorschlagen, solange er mit mehr als zehn Prozent beteiligt ist. Die Commerzbank hat 2009 eine entsprechende Verpflichtungserklärung abgegeben. Der zweite Vertreter des Bundes ist der Unternehmer Harald Christ.
Auswirkungen auf Kapitalquote und Konsolidierung
Unicredit hätte nach Umsetzung des Übernahmeangebots vermutlich eine Stimmrechtsmehrheit auf der nächsten Hauptversammlung. Orcel hält es für wahrscheinlich, dass die EZB Unicredit zwingen wird, die Commerzbank voll in der eigenen Bilanz zu konsolidieren. Dadurch würde die Kapitalquote des Mailänder Instituts früheren Angaben zufolge um 280 Basispunkte sinken. Für Unicredit wäre es damit schwerer, Geld an Eigentümer auszuschütten oder eigene Aktien zurückzukaufen. Für wichtige strukturelle Maßnahmen wie eine Verschmelzung oder Gewinnabführung ist eine Mehrheit von 75 Prozent nötig, betonte Orlopp. Solange die Bundesregierung und andere Investoren nicht verkaufen, bleibe es für Orcel schwer, eine solche Dreiviertelmehrheit zu erlangen.



