Alan Greenspan: Das Orakel der Wall Street wird 100 – ein Nachruf
Alan Greenspan: Wall-Street-Orakel wird 100 – Nachruf

Alan Greenspan: Vom Musiker zum mächtigsten Ökonomen der Welt

Alan Greenspan, der legendäre ehemalige Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve, ist im Alter von 100 Jahren gestorben. Der am 22. Juni 2026 in New York verstorbene Ökonom prägte über fast zwei Jahrzehnte die Geldpolitik der USA und galt lange als unfehlbares Orakel der Wall Street. Doch sein Lebenswerk ist überschattet von der globalen Finanzkrise 2008, die unter seiner Ägide ihren Anfang nahm.

Geboren 1926 in New York, begann Greenspan seine Karriere zunächst als professioneller Klarinettist und Saxophonist. Er spielte unter anderem in der Band des späteren Schauspielers und Komikers Woody Allen. Doch seine Leidenschaft für Wirtschaft und Mathematik führte ihn schließlich an die Columbia University, wo er bei Arthur Burns, dem späteren Fed-Chef, studierte.

Die Ära Greenspan: Deregulierung und Blasenbildung

1987 von Präsident Ronald Reagan zum Fed-Vorsitzenden ernannt, lenkte Greenspan die US-Geldpolitik durch Boom- und Krisenzeiten. Er galt als Verfechter marktliberaler Prinzipien und deregulierte die Finanzmärkte massiv. Unter seiner Führung entstand die Dotcom-Blase, die 2000 platzte, und die Immobilienblase, die 2007/2008 zur schwersten Finanzkrise seit der Großen Depression führte.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Kritiker werfen Greenspan vor, die Gefahren von Derivaten und unregulierten Finanzprodukten ignoriert zu haben. „Er hat die Blase nicht nur nicht gesehen, sondern aktiv befördert“, sagte der Ökonom Nouriel Roubini in einem Interview. Greenspan selbst räumte 2008 vor dem US-Kongress ein, dass er „einen Fehler in der Annahme gemacht habe, dass die Eigeninteressen der Marktteilnehmer ausreichen, um das System zu schützen“.

Das widersprüchliche Erbe des Jahrhundertökonomen

Trotz der Kritik bleibt Greenspan eine Ikone der Wirtschaftsgeschichte. Seine Amtszeit war geprägt von niedriger Inflation und starkem Wachstum, was ihm den Spitznamen „Maestro“ einbrachte. Nach seinem Ausscheiden 2006 verfasste er mehrere Bestseller, darunter „The Age of Turbulence“. Sein Tod im Alter von 100 Jahren markiert das Ende einer Ära, die die Weltwirtschaft nachhaltig verändert hat.

Die Reaktionen auf seinen Tod sind gemischt. Während viele Wall-Street-Veteranen ihn als Genie verehren, sehen andere in ihm den Architekten der Krise. „Sein Vermächtnis ist verdunkelt, aber unauslöschlich“, schrieb die New York Times. Greenspan hinterlässt eine Frau, die Wirtschaftshistorikerin Andrea Mitchell, und ein Erbe, das noch lange diskutiert werden wird.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration