Tankrabatt: Kartellamt sieht Anzeichen für Abzocke an Zapfsäulen
Tankrabatt: Kartellamt sieht Anzeichen für Abzocke

Berlin – Kurz nach der Einführung des staatlichen Tankrabatts am 1. Mai meldet sich das Bundeskartellamt zu Wort. Eine erste Untersuchung der Wettbewerbshüter zeigt: Im Durchschnitt kostet der Liter Benzin jetzt 13 Cent weniger als vor der Steuersenkung. Die Tankstellen zahlen im Mai und Juni jedoch rund 17 Cent weniger Steuern als zuvor. Werden die Autofahrer abgezockt? Für BILD haben Top-Experten die Lage an der Zapfsäule analysiert.

Regionale Unterschiede beim Tankrabatt

Ein erstes Zwischenfazit zum Tankrabatt offenbart erhebliche regionale Preisunterschiede. Laut Kartellamt war Tanken in Süddeutschland besonders günstig, während Autofahrer im Norden fünf bis sieben Cent mehr pro Liter bezahlten. Der ADAC kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Benzin und Diesel waren am 1. Mai im Schnitt rund 13,7 Cent günstiger als zuvor – der Preisrückgang fällt also geringer aus als der Steuernachlass.

Experten sehen Anzeichen für Preiswucher

Am Samstag kosteten Diesel und Super wieder mehr als zwei Euro pro Liter. Lediglich E10-Benzin lag knapp darunter. Der Wirtschaftsexperte Prof. Dr. Tomaso Duso sieht Anzeichen für Preiswucher kurz vor der Steuersenkung. Gegenüber BILD erklärt er: „Preise kurz vorher erhöhen, um sich einen Puffer zu schaffen – das haben wir bei der Bewertung des Tankrabatts 2022 auch beobachtet.“ Ein abschließendes Urteil sei jedoch noch nicht möglich.

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Ökonom Prof. Dr. Eckhard Janeba von der Universität Mannheim betont: „Der Steuerrabatt wird größtenteils weitergegeben, aber nicht vollständig. Die Vorstellung einer vollständigen Weitergabe halte ich ökonomisch für naiv, da dies von den Angebots- und Nachfragebedingungen abhängt.“ Energieexperte Prof. Dr. Aaron Praktiknjo weist auf den Einfluss der Krise im Nahen Osten hin: „Ich kann mir vorstellen, dass der Druck, den Rabatt weiterzugeben, nicht mehr so groß ist, wenn der Preis deutlich fällt. Umso stärker könnte er sein, wenn die Rohölpreise wieder steigen.“

Verbraucher sollten daher Geduld haben und die Preise vergleichen. Das Kartellamt wird die Entwicklung weiter beobachten.

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