Der Neobroker Trade Republic führt neue Ordergebühren und Funktionen ein. Während die bekannte 1-Euro-Order bestehen bleibt, wird künftig für die manuelle Auswahl eines Handelsplatzes eine Gebühr von zwei Euro fällig. Gleichzeitig bringt das Berliner Fintech ein „Web-Terminal“ für den Desktop sowie ein aggregiertes Orderbuch. Diese Änderungen erfolgen vor dem Hintergrund der neuen EU-Regulierung, die seit dem 1. Juli 2026 Zahlungen für die Orderweiterleitung (Payment for Order Flow) verbietet.
Die 1-Euro-Order bleibt – der Bestpreis-Modus wird Standard
Die wichtigste Neuerung: Trade Republic führt einen sogenannten „Bestpreis“-Modus ein, der standardmäßig aktiviert ist. Dabei vergleicht ein Algorithmus in Echtzeit die Kurse relevanter Handelsplätze wie Xetra, Euronext und Nasdaq und führt die Order zum besten verfügbaren Preis aus. Der Anleger muss den Handelsplatz nicht mehr selbst wählen. Für diese automatische Ausführung gilt weiterhin die bekannte 1-Euro-Orderpauschale.
Zwei Euro Gebühr bei eigener Handelsplatzwahl
Wer hingegen einen bestimmten Handelsplatz wie Xetra, Nasdaq oder NYSE gezielt auswählen möchte, nutzt die sogenannte Direktpreis-Order. Diese kostet zwei Euro pro Trade. Die neue 2-Euro-Order ersetzt die 1-Euro-Order nicht, sondern ergänzt sie. Laut Trade Republic richtet sich dieses Modell vor allem an aktive Anleger, die Kurse vergleichen oder bewusst einen bestimmten Börsenplatz nutzen wollen.
Neues Web-Terminal und Orderbuch
Parallel zu den Gebührenänderungen launcht Trade Republic ein „Web-Terminal“ für den Desktop. Es bietet professionelle Charts, anpassbare Arbeitsbereiche und Live-Marktdaten. Damit nähert sich der Broker klassischen Trading-Plattformen an. Zudem zeigt die App nun ein aggregiertes Orderbuch, das Kauf- und Verkaufskurse über mehrere Referenzbörsen hinweg darstellt. Eine „Time & Sales“-Übersicht informiert über tatsächliche Orderausführungen – allerdings nur für Instrumente, die in Euro gehandelt werden. Für Handelsaktivitäten an nicht in Euro handelnden Plätzen wie Nasdaq oder NYSE müssen Anleger in den Direktpreis-Modus wechseln.
Hintergrund: Ende von Payment for Order Flow
Der Umbau ist eine Reaktion auf die neue EU-Regulierung. Seit dem 1. Juli 2026 sind Zahlungen von Handelsplätzen an Broker für die Weiterleitung von Kundenorders verboten. Bisher finanzierten viele Neobroker ihre günstigen Angebote teilweise durch diese Zahlungen. Trade Republic schafft mit der 2-Euro-Order eine neue Erlösquelle für Kunden, die mehr Kontrolle wünschen. „Wer die einfache Variante nutzt, bleibt beim automatischen Bestpreis-Modell. Wer aber selbst einen Handelsplatz auswählen will, zahlt künftig zwei Euro“, erklärt das Unternehmen.
Auswirkungen für Anleger
Für die meisten Kunden ändert sich zunächst wenig: Wer wie bisher handelt, nutzt automatisch den Bestpreis-Modus und zahlt weiterhin einen Euro pro Trade. Die neuen Funktionen richten sich vor allem an aktive Trader. Trade Republic erweitert damit sein Angebot von einer einfachen App hin zu einer umfassenderen Handelsplattform. Dies bringt mehr Transparenz und Wahlmöglichkeiten, macht das Angebot aber auch komplexer.



