Warshs radikaler Umbau der Fed
Kevin Warsh, der neue Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), treibt seine radikale Agenda mit Nachdruck voran. Bei seinem Amtsantritt rief er fünf Arbeitsgruppen ins Leben – nicht etwa als Zeichen der Ratlosigkeit, sondern als bewussten Schritt, die Fed grundlegend umzubauen. Lediglich zwei Prinzipien gelten ihm als unantastbar: die Unabhängigkeit der Notenbank von der Politik und das Mandat der Preisstabilität. Alles andere steht zur Debatte und Disposition.
Internationale Beratung und versteckte Steuerung
Beim Notenbankertreffen der Europäischen Zentralbank (EZB) im portugiesischen Sintra kündigte Warsh an, sich für seinen Umbau auch international Rat einzuholen. Beobachter vermuten jedoch, dass er die Ergebnisse und Vorschläge der Arbeitsgruppen stark beeinflussen werde. Damit könnten die Gruppen zu einem bloßen Feigenblatt verkommen, hinter dem Warsh diskret durchregiert.
Bereits geschaffene Fakten
Warsh hat bereits konkrete Maßnahmen umgesetzt. So kürzte er das geldpolitische Statement zu Zinsentscheiden radikal und verweigerte die Teilnahme am Zinsausblick. In Sintra deutete er an, dass die Fed die Zinsprognosen bald ganz abschaffen könnte – fügte jedoch pflichtschuldig hinzu, dass er der einschlägigen Arbeitsgruppe nicht vorgreifen wolle. „Das ist ein klares Signal, dass Warsh die Transparenz der Fed reduzieren will“, kommentierte ein Notenbank-Insider unter der Bedingung der Anonymität.
Bilanzabbau mit strategischer Auswahl
Ein weiterer zentraler Punkt von Warshs Agenda ist der Abbau der Fed-Bilanz. Dabei geht es nicht mehr um das Ob, sondern um das Wie. Die Fed muss entscheiden, ob sie künftig vor allem Staatsanleihen meidet, was die Renditen von US-Papieren hochtreiben könnte, oder hypothekenbesicherte Wertpapiere, was Immobilienkredite in den USA verteuern würde. Warsh betonte in Sintra, dass er dabei Rücksicht auf die Märkte nehmen wolle, ohne jedoch konkrete Details zu nennen.



