26 sicherheitsrelevante Vorfälle im stillgelegten AKW Brokdorf seit Rückbau-Beginn
26 Vorfälle im AKW Brokdorf seit Rückbau-Beginn

26 meldepflichtige Ereignisse im stillgelegten Atomkraftwerk Brokdorf dokumentiert

Im stillgelegten Atomkraftwerk Brokdorf im Kreis Steinburg haben sich seit Beginn des Jahres 2022 insgesamt 26 sicherheitsrelevante Vorfälle ereignet. Dies geht aus einer aktuellen Antwort der schleswig-holsteinischen Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des Grünenabgeordneten Malte Krüger hervor. Die Vorfälle traten während der laufenden Rückbauarbeiten auf und wurden der atomrechtlichen Aufsichtsbehörde gemeldet.

Konkrete Vorfälle und Kontaminationsereignis

Zu den dokumentierten Ereignissen zählen laut Landesregierung mehrere technische und menschliche Fehler. Bei Reparaturarbeiten fiel beispielsweise ein Brennstab aus der dafür vorgesehenen Greifvorrichtung. An einer Brandschutzklappe wurde eine Funktionsstörung festgestellt. Ein besonders bemerkenswerter Vorfall ereignete sich im November 2024: Bei Arbeiten an einer Isolierhaube kam es zu einer leichten Kontamination eines Mitarbeiters mit radioaktiven Stoffen.

Die schleswig-holsteinische Landesregierung führt die meldepflichtigen Ereignisse überwiegend auf zwei Hauptursachen zurück:

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  • Technische Defekte, die häufig durch Korrosionsschäden verursacht werden
  • Menschliche Fehler während der komplexen Rückbauprozesse

Politische Kritik und Betreiber-Reaktion

Der Grünenabgeordnete Malte Krüger äußerte scharfe Kritik an der Vorgehensweise des Betreibers. »Ich erwarte vom Betreiber PreussenElektra und dem Eigentümer E.on mehr Sorgfalt und Prävention«, forderte Krüger. Er betonte, dass es sich beim Rückbau nicht um die Demontage eines Abenteuerspielplatzes handele, sondern um ein Atomkraftwerk, bei dem der Schutz von Umwelt und Bevölkerung oberste Priorität haben müsse.

Der Betreiber PreussenElektra wies diese Kritik umgehend zurück. In einer offiziellen Stellungnahme sprach das Unternehmen von einem Versuch der Grünen, »unsere Sicherheitskultur in Zweifel zu ziehen«. Alle Vorfälle seien transparent der Aufsichtsbehörde gemeldet, regelkonform bewertet und umgehend behördlich abgearbeitet worden.

Bewertung durch die Aufsichtsbehörde

Laut PreussenElektra hat die atomrechtliche Aufsichtsbehörde jedes einzelne Ereignis auf der internationalen Meldeskala mit Stufe 0 bewertet – was als »Abweichung ohne sicherheitstechnische Relevanz« klassifiziert wird. Diese Einstufung belege, dass zu keinem Zeitpunkt ein Risiko für Personal, Bevölkerung oder Umwelt bestanden habe. Die Vorfälle seien somit sicherheitstechnisch als unbedeutend einzustufen.

Hintergrund zum Rückbau des AKW Brokdorf

Das Atomkraftwerk Brokdorf wurde Ende 2021 endgültig stillgelegt und erhielt im Oktober 2024 die erste Genehmigung für den Rückbau. Nach Angaben des Betreibers PreussenElektra werden die Rückbauarbeiten voraussichtlich etwa 15 Jahre in Anspruch nehmen. Während dieser langen Phase müssen sämtliche radioaktiven Komponenten fachgerecht demontiert, behandelt und entsorgt werden – ein äußerst komplexer und sicherheitskritischer Prozess.

Die aktuell bekannt gewordenen Vorfälle werfen Fragen zur Sicherheitskultur während dieser sensiblen Phase auf. Während die politischen Vertreter strengere Kontrollen und mehr Prävention fordern, betont der Betreiber die Transparenz und Regelkonformität aller Maßnahmen. Die Diskussion um die Sicherheit beim Rückbau von Atomkraftwerken bleibt damit ein kontroverses und hochrelevantes Thema in der schleswig-holsteinischen Energiepolitik.

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